Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 3
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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iv. Munk's Antrittsrede. 185 damit außerhalb derselben oder über sie zu stellen. Dennoch hat sein erster Anlauf, die hebräisch-sprachliche Wissenschaft auf dem Katheder aus der Herrschaft der kirchlichen Dogmatik zu befreien, zu seiner alsbaldigen Entfernung hingeführt. Daß man nun dennoch diesen Lehrstuhl mit einem jüdischen Gelehrten zu besetzen keinen Anstand nahm, beweist, daß, wenn man auch die kritische Zersetzung der Kirchenlehre scheut, man die stillschweigende Jgnorirung derselben, die. innerlich ihr entgegen stehende Ueberzeugung des Judenthums, daß man das Verfahren, den Unterricht auch dieser Disciplin von der heiteren Höhe der Wissenschaft aus, welche die kirchlichen Differenzen unter sich als leichtes Gewölk verweht, widerspruchlos erträgt. Ja, nicht blos der reinen Wissenschaft, in gewissem Sinne ist auch dem Judenthume hiemit eine bedeutende Conecssion gemacht. Denn Munk's Persönlichkeit hat sich bisher als eine solche bewährt, die nicht etwa verlangt, daß man sein Judenthum übersehe, es an ihm als ein Nebensächliches dulde, sondern die dessen Anerkennung begehrt, die, zwar ohne irgend einen polemischen Beigeschmack, sich selbst als von Ehrerbietung gegen dasselbe erfüllt darstetlte und in all seinem literarischen Wirken dessen tiefen Gehalt vorzuführen bestrebt war. Man durste also voraussetzen, daß er nicht blos ein Professor mit zufällig jüdischem Bekenntnisse, sondern daß er ein jüdischer Professor sein werde, und es ehrt Frankreich und unsere Zeit, daß man Dies nicht gescheut hat. Freilich ist dadurch die Stellung Munk's selbst und namentlich für seine einleitende Vorlesung eine delicate geworden. Eine solche ist nun einmal in dem das Schaugepränge liebenden Frankreich eine Art Schaustellung; sie wurde es nach der letzten Geschichte dieses Lehrstuhles noch umsoniehr. Es war ihm geboten, die Aufregung zu beschwichtigen, nicht ihr Nahrung zu geben. Er that Dies in tactvoller Weise. Mit Anerkennung gegen seine Vorgänger, mit würdevoller Betonung seines körperlichen Leidens zieht er sich in die engen Gränzcn des ihm übertragenen Lehrgebietes als eines rein sprachlichen zurück, verheißt, daß er dieselben nicht überschreiten, nicht in das nahe daran streifende theologische Gebiet abschweifen werde. Daß Dies wohl nach formal logischer Theilung möglich ist, aber nicht so in einer von dem Inhalte erfüllten Betrachtungsweise, beweist er freilich bald selbst. Die Sprache ist der volle Ausdruck des Gedankens, das Spiegelbild des ganzen geistigen Volkslebens. Wer nicht blos Paradigmen und Vocabeln lehren will — und darauf beschränkt sich sicher nicht die Aufgabe dieses Lehrstuhles —, wird innerhalb des