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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 3 · p. Seite 172

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
3
Date
1864-01-01
Page
Seite 172 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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172 I. Die Reihen lichten sich. Hcranfluthcn der östlichen jüdischen Bevölkerung nach Wien wag es rechtfertigen, daß für die Einlebung der mährischen, böhmischen, galizischen, ungarischen Bestandtheile der gewonnene Standpunkt festgehalten wurde. Doch ist es offenbar, daß M. seinen Abschluß mit einer gewissen Schroffheit behauptete, ein jedes Weitergehcn mit mürrischem Blicke betrachtete. Ein Mann der fertigen That, schloß er sich vor der Ln ihrem Fortschreiten nicht zu hemmenden Theorie ab, konnte er sich nicht in das geschichtliche Fluthen mit seinen Schwanknngen versenken. Das hatte aber den Nachtheil, daß seine Natur, angelegt auf belebende Anregung, doch nun auch zu einem Zurückdrä'ngen gezwungen wurde, das als ein Abfall erscheinen mußte. Weit selbstständiger noch bewährte sich seine Kraft in der Predigt. In ihr spricht sich bei M. immer ein ganzer und voller Mensch aus, eine in sich geschlossene Persönlichkeit und Gesinnung. Jeder von ihm besprochene Gegenstand ergab sich als Ausfluß eines zusammenhängenden Denkens, einer alle Lebensverhältnisse bestimmenden religicscn Uebcrzcugung und Empfindung. Und diese Uebcrzeugung war ebensowohl ein Ergebniß der ganzen eigenen innern Geistes- und Herzcnsgcschichte, der Thatsachcn des eigenen Bewußtseins, wie sie im edelsten Einklänge stand mit seiner Auffassung des Judenthums. Ohne in gelehrte Untersuchungen einzugehen, ohne mit dem Detail der weitläufigen Gesctzcsansarbcitung sich zu befassen, fühlte er glücklich die oft tief verborgenen, aber immer das Leben des Judenthums durchziehenden religiösen Wahrheiten heraus. So sprach er mit voller Warme immer aus einer liefen, geschichtlich gewordenen religiösen Ueberzcugung, die er in allen Erscheinungen des Judenthums ausgeprägt fand, die er selbst in den Mißbildungen wiedererkannte, wenn er sie auch als überwuchernd mißbilligte. Solange die letzteren die officielle Herrschaft hatten, trat er mit Freimuts) gegen ihren lähmenden Einfluß auf, und sein Ankämpfen war um so siegreicher, als die volle Anerkennung der zu Grunde liegenden Idee dem Kampfe gegen die mißgestaltete Aeußerung einen entschiedenen Nachdruck verlieh und dennoch das Verletzende des Streites milderte. Man fühlte auch aus dem gegnerischen Worte die warme Theilnahme heraus; nicht der Spott gegen das Lächerliche, sondern der Schmerz um die Entartung ging vom Redner auf die Zuhörer über, läuterte und erhob. Als jedoch der Kampf eine allgemeinere Betheiligung gewann, als man entschiedenen Ernst zu machen begann mit der Umgestaltung in Theorie und Praxis, da erging cs ihm wie manchem Altlibcralen Ln

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