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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 3 · p. Seite 173

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
3
Date
1864-01-01
Page
Seite 173 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Mannheimer. 173 der Politik. Er fürchtete die rasche und scharfe Consequenz, die manches auch ihm Liebgewordene nicht schonen wollte, der Uebergang aus der herzwarmen Idee in die nüchterne Thatsache fröstelte ihn an. Und Dies umsomehr, als er, wie gesagt, den eigentlich praktischen Fragen, über welche die Reform sich nunmehr verbreitete, amtlich fern stand, für die Quellen durchwühlenden Forschungen der Kritik nie Empfanglichkeit in sich genährt hatte. So blickte er auf diese Bemühungen grämlich hin, glaubte dieselben als Versuche der Zerstörung abweisen, vor ihnen sich abschließen zu müssen, unterstützte sogar hie und da die sogenannten conservativen Restaurations- und Nepristinations- Bestrebungen. Er war hiemit kein Abtrünniger geworden, er war blos stehen geblieben in Mitten der ihn umwogenden Zeit, für die er allmälig das Verständniß verlor, die ihn weiter nach seinen Verdicnsten, nach seinem Manneswerthe ehrte, ohne sich von ihm becinflussen zu lassen. Die rück'schreitende Partei suchte ihn, wo es in ihrem Interesse lag, zu benützen und lohnte es ihm, wo er sich nach seiner Biederkeit dennoch nicht als ganz gefügiges Werkzeug erwies, durch maßlose Anfeindung und Verdächtigung. So wurde ihm hohe Anerkennung bei der Feier seines vollendeten siebzigsten Jahres am 17. October 1863 von allen Unbefangenen, und so schmähten ihn bald darauf die Männer des Rückschritts, als er einen Bruch im Judenthum zwischen ihnen, als den einzig Gläubigen, allein gesetzestreuen Juden, und den Andern, die sie Auswürflinge nennen, als er diesen Bruch nicht gerichtlich constatiren wollte. Jedoch eilen wir über diese trüben Erscheinungen hinweg. Mannheimer hat der menschlichen Schwäche, welche über den einmal gewonnenen Standpunkt nicht hinauszuschreiten vermag, seinen Zoll dargebracht; aber er hat mit seiner Kraft auch mächtig emporgehoben, und zu allen Zeiten erlosch die heilige Gluth nicht in seinem Herzen. Was er durch seinen Einfluß gewirkt für Arme und Gebeugte, wie er unermüdet mit unerschöpflichem Wohlwollen, mit edelster Uneigcnnützigkeit die Quellen der Wohlthätigkeit cröffnete und fruchtbar ausströmen ließ, das verkünden Dankbare ohne Zahl. Eine würdevolle Persönlichkeit, war er ein Vertreter einer gedrückten, verachteten Religionsgesellschaft, die er bei Behörden und der öffentlichen Meinung zu Ehren brachte, der er gegenüber der Willkür eines Polizeistaates mit kühnem Freimuthe das einflußreiche Wort lieh, und so ist er ein bedeutsames Moment in der Geschichte der Juden und des Judenthums geworden, das die Zeiten nicht hinwegschwemmen

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