Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 3
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mannheimer. 109 der Gemeinde werden. In Wien jedoch, das keine gesetzliche Gemeinde bildete, so daß auch Mannheimer den Behörden gegenüber nicht als Prediger, sondern als Neligionßlehrer gelten durfte, konnte es auch nicht einen Rabbiner geben, sondern blos einen Fleischbeschauer! Das war blos äußerliche Benennung und wirkte doch gar sehr auf die Stellung ein, indem die wichtigeren Functionen, die ganze Leitung des Gottesdienstes, die Trauungen, das Beerdigungswesen u. s. w. dem Bereiche des ״Rabbiners^ ganz entzogen und dem ״Prediger" überwiesen wurden. So war Mannheimer die Gelegenheit geboten, in vollstem Sinne das religiöse Leben zu leiten und dabet dennoch von manchen Institutionen, deren veraltete Gestalt nicht leicht umzuwandeln war, also außer der Handhabung der Speisegesetze auch von Scheidung, Chalizah u. dgl., ganz fern zu bleiben. Das mußte allerdings im Laufe der Zeit, eine gewisse Einseitigkeit, einen innern Widerspruch erzeugen, den der fortschreitende Rabbinismus, das historische Nabbinat mit dem umgestalteten Predigeramt in sich vereinigend, zu überwinden versuchte und versucht, eine Einseitigkeit, die auch Mannheimer später in eine gewisse schiefe Stellung zu diesem fortschreitenden Rabbinismus, zu der durchgreifenden Reform brachte. Allein für die damaligen Verhältnisse war dies gerade die einzige Möglichkeit, eine thatkrä'ftige Wirksamkeit zu entfalten. Und so gelang es Mannheimer wirklich, daß er in vielen Beziehungen, unterstützt von tüchtigen Kräften, Wien zu einer Mustergemeinde machte, deren Beispiel weithin und mächtig wirkte. Das Gemeindeverhältniß selbst ließ ihn die Nothwendigkeit einer Vermittelung erkennen, welche ebensosehr die Ansprüchr der Gegenwart, wie die Wahrung ererbter Frömmigkeit zu beachten wußte, und sein eigener praktischer Sinn gab ihm die rechten Mittel dazu an die Hand. Denn allerdings bleibt bei allen glücklichen Umständen doch die Virtuosität des Mannes selbst die wesentliche Ursache des Gelingens. M. verstand es, in alle frommcn Empfindungen, welche die Bergangenheit überlieferte, sich zu versenken, sie mit den ewigen Wahrheiten Ln Einklang zu bringen und ihnen den edlen Ausdruck erhöhter Bitdüng zu verleihen. Er erkannte seine Mission nicht in dem äugenblicklichen Eindrücke, den sein gewaltiges Wort erweckte, sondern in dem ganzen Leben, das sich daran knüpfte. M. war ein Charakter. Mächtig ergreifend sind die Worte, welche M. im Jahre 1863 bei der Trauung seiner Tochter gesprochen: ״Ich war auch meiner Gemeinde in solchen Stunden nicht der Priester, der Furigircnde; ich