Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 3 · p. Seite 168

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
3
Date
1864-01-01
Page
Seite 168 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2420973-2420988-2420990--0819-2421898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

168 1. Die Reihen lichten sich. sondern auch hohe Anerkennung vor den vorgetragenen Gedanken einflößen. M. ging nicht auf Rührung ans, er suchte nicht durch den Zauber des Wortes — und er stand ihm wahrlich zu Gebote — zu überreden; er drang vielmehr mit der ganzen Macht einer innerlich erfüllten Persönlichkeit auf den ganzen Menschen, auf seine Erkenntniß und besonders auf die edle sittliche Anlage ein. Er ward frühzeitig auch auf einen glücklichen und fruchtbaren Boden gestellt. Kopenhagen, der Ort seiner Geburt und seiner ersten Wirksamkeit, hat nicht die Lage und die geschichtliche Bedeutung, um auf das jüdische Gesammtleben Einfluß zu üben, der Hamburger Tempel war und ist ein Oppositiousinstitut und mußte, bei aller wohlthätigen Wirksamkeit, die von ihn! ausging, zu einer gewissen Einseitigkeit hindrängeu, der Leipziger Tempel litt neben diesem Mangel noch an dem Charakter eines blos flüchtigen Bestandes, da ihn nicht eine feste Gemeinde, sondern eine Schaar zufälliger Fremden für einige Wochen im Jahre bildete. Während der Jakobson'sche oder Herz Beer'sche Gottesdienst in Berlin auch ähnlich an diesen Mängeln krankte, würde selbst die Berliner Synagoge unter den damaligen Umständen M/s Kraft gelähmt haben, und besser war es, daß regenerirende Kräfte von ihr fern gehalten wurden, als daß sie gebrochen worden wären. Wien, namentlich das damalige, hatte eilten eigenthümlichen Charakter. Die Gemeinde war frei von hemmenden, erstarrten Traditionen, ja sie war gesetzlich gar keine Gemeinde, und dennoch hatte sie den Drang, als Mittelpunkt der zahlreichen Gemeinden des österreichischen Kaiserstaates auch die angemessene Bedeutung zu erlangen. Diesen natürlichen Eifer erhöhte noch die vielfache Beruhrung mit den Behörden, welchen gegenüber das Judenthum in edler Erscheinung zu repräsentiren ganz besonders den Wienern oblag. Diese, soweit als sie der Stadt und Gemeinde, obgleich auch -sie nur als ״Tolcrirte," angehörten, bildeten einen auserlesenen Kreis, die demnach ihre Institutionen allein zu bestintmen hatten, während die große Anzahl der Jahr aus Jahr ein gleichfalls dort Lebenden als Fremde nicht stimmberechtigt waren. So war eine ausgewählte Gemeinde, die ein Ganzes bildete und dennoch nicht alle hemmenden Elemente mit sich fortzuschleppen hatte. Nach der damaligen Auffassung, die in der Lage der Verhältnisse ihre Berechtigung hatte, mußte das Amt des Predigers vollständig von den rabbinischen Functionen gesondert sein; das gab eine freiere Stellung, aber ließ den Prediger, neben dem noch ein Rabbiner wirkte, nicht vollkommen zum Mittelpunkte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.