Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 3
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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166 I. Die Reihen lichten sich. raffe drängten oft bunt durch einander. Aber auch der Eifer, mit dem er sich in die bisher ganz unbekannten Schriften versenkte, störte bei aller Wahrheitsliebe sein sonst unbefangenes Urtheil, trübte ihm den kritischen Blick, er vertraute ihren Angaben zu sehr, er nahm ihre Behauptungen, wenn er auch sich und Andern die Bedenken dagegen nicht verhehlte, zu gläubig auf. Es ist hier der Ort nicht, um kritisch die Leistungen P.'s zu durchmustern, das ächte Probehaltige von der Spreu und dem Zweifelhaften zu sondern; auch ist dies theilweise schon an anderen Orten von mir geschehen. Aber bei dem Andenken an einen Mann, der mit wahrhaft priesterlicher Weihe den Dienst der Wissenschaft versah, ziemt es sich, die Anerkennung seiner Verdienste der Heilighaltung der Wahrheit, der Unparteilichkeit der Wissenschaft unterzuordnen. Bei dem traurigen Zustande unserer Literatnr, in der der sachkundigen Kenner, geschweige Arbeiter sehr wenige sind, bei dem abnehmenden heiligen und keuschen Wahrheitssinn, wo sich mehr die Massenhastigkeit, die rasche Fingerfertigkeit, die Formglätte und die Sucht, durch Ueberraschendes zu blenden, hervordrängt, sind Pinsker's Arbeiten, die viel verdächtiges Material, viele gewagte Combinationen enthalten, bereits Vielen zum Falle geworden, und ich fürchte, daß die verwirrenden Nachwirkungen noch sich vermehren werden. .Es ist eine traurige Pflicht der redlichen Forschung, einen Warnungsruf gegen solche unkritische Benützung und Fortführung unberechtigter Resultate zu erheben. Pinsker selbst, wenn wir ihm auch in Vielem nicht beistimmen können, ist an diesem Mißbrauch nnschuldig; er hat mit aller Geradheit des Herzens den ganzen Stoff vorgelegt, Gründe und Gegengründe vor den Augen des Lesers abgewogen, und wenn er fehlgeht, so kann der Kenner sich vor dem Fehltritte durch das von ihm selbst zugänglich Gemachte wahren. Seine Nachtreter aber, die ihn noch vielfach überbieten, stellen mit blcs kurzen Verweisungen die nackten angeblichen Resultate hin mit aller Bestimmtheit, führen sie dem größeren Publikum als ausgemachte Thatsuchen vor und verwirren so vollständig die Geschichte?) *) Schon früher fand ich mich gedrungen, einen solchen Warnungsruf gegen einige neuere Schriftsteller zu erlassen; ich füge mich nur einer traurigen Nothwendigkeit, wenn ich diesen Nothschrei nochmals erhebe. Ich will den Sammlerfleiß, der sich in den zwei Bänden des vor Kurzem erschienenen Buches : ״Geschichte des Karäerthums" bekundet, die geordnete und faßliche Darstellung nicht unterschätzen, will davon adsehen, daß das Werk im Gan-