Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 3
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Pinsler. 165 schichte verwendete. Da eröffncte ihm gerade sein Aufenthalt in Odessa eine sonst nicht zugängliche Quelle. Die persönliche Berührung mit den Karäern, namentlich mit l^em verdienstvollen Ausspürer und Sammler entlegener Handschriften, Abraham Firkowitsch, machte ihn mib alten Denkmalen bekannt, von deren einigen die Existenz gar nicht geahnt wurde, andere höchstens dem Namen nach bekannt waren. Seit etwa einem Vierteljahrhundert erössnet sich dieser reiche Schatz, der noch lange nicht ausgebeutet und dessen Bedeutung noch nicht genug gewürdigt ist. Piusker erkannte durch täglichen Umgang und Einblick bald die Bedeutung dieser geretteten Schriften und Bruchstücke und machte sich mit deren Inhalt vertraut, aber sowie er die wichtigen Resultate ahnte, die sich aus ihnen ergaben, verkannte er auch nicht die Schwierigkeiten, die sich zahlreich darboten. So sam-- melte und verglich er lange mühsam, wog still in seinem Innern ab, lange zögernd, bevor er die Ergebnisse seiner Untersuchungen der Oeffentlichkeit zu übergeben wagte. Schon dieses stille Sammeln, diese zögernde Bangigkeit zeigt uns Pinsker's achtungsvollen Wahrheitssinn, seine reine Liebe zur Wissenschaft, die sich in sich begnügt, die nur Erprobtes, Wohldurchdachtes und daher allein Förderndes vorlegen will, die den Drang zur Mittheilung, geschweige den eitel» Ruhm, Neues vorzubringen, zu bewältigen, unter die Zucht der Selbstkritik zu bringen weiß. Erst dann, als wankende Gesundheit ihn nöthigte, von den anstrengenden Berufsarbeiten sich loszusagen, verwendete er die ehrenvolle, wenn auch unfreiwillige Muße, die gebrochenen Körper-, aber frisch gebliebenen Geisteskräfte, um seine Sammlungen und Forschungen zum Abschlüsse zu bringen. Die Jahre, welche Andern zur Erholung dienen, waren ihm Tage der mächtigsten geistigen Regsamkeit. Die gereifte Frucht dieses strebsamen Lebens sind die ״Lickute Kadmoniot. Zur Geschichte des Karaismus und der karäischen Literatur," welche 1860, und die ״Einleitung in das babylonisch-hebräische Punctationssystem," welche 1863 erschien. Diese Schriften brachten eine Fülle neuen Materials und höchst anregende Forschungen; sie eröffnetcn ganz unbekannte, bis dahin unwegsame Bahnen, und sie werden dem redlichen Forscher stets unentbehrlich bleiben. Freilich vermochte Piusker das Material, das sich ihm so angchäuft hatte, nicht genügend zu bewältigen. Bei allem Streben nach wissenschaftlicher Gruppirung und logischer Durchdringung konnte er die ihn umlagernde Masse nicht gehörig ordnen, und die verschiedenen neuen Entdeckungen wie selbstgezogenen Ergeb- 12 *