Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 3
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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164 1. Die Reihen lichten, sich. jene tiefe Gluth eines begeisterten, keine Schwierigkeiten scheuenden, vor keinen Widerwärtigkeiten erlahmenden Ringens, jenes volle innere Leben, das die Einflüsse von außen beherrscht, nicht ihnen feige sich fügt — daß ein solch edler Aufschwung in den Männern des jungeren Geschlechtes, unter den Lehrern und geistigen Führern des heutigen Israel nicht in dem Grade vorhanden ist, wie er die Träger des Vorgängeneu adelte. Bei einem kurzen Rückblicke auf zwei uns nun Entrückte mag daher ein solches Wort der Klage gestattet sein, wenn wir auch an der Hoffnung fcsthalten, daß die augenblickliche Erwattung bald wieder einem neuen Aufschwung weichen wird. Pinsker war ein Mann der Forschung. Die ihm persönlich nahe standen, rühmen die Vorzüge, die ihn als Menschen schmückten, sein liebewarmcs Herz, seine anspruchlose Bescheidenheit, seine ruhige Würde, seinen heilsamen Einfluß auf Jeden, der ihm nahte. Seine Schüler gedenken der gewissenhaften Berufstreue und der Sorgfalt für die Heranbildung der Jugend, mit der er sein mühsames Amt verwaltete. Doch wären diese Vorzüge, so hoch wir sie achten und so sehr wir in ihnen die Grundlage anerkennen für jede sonst zu erlangende Bedeutung, auf einen engeren Kreis beschränkt geblieben, und der stille Einfluß des wackern Mannes wäre, wenn auch tiefgehend, zu keiner allgemeineren Anerkennung gelangt. Was auf Pinsker die Aufmerksamkeit in weiteren Kreisen lenkte, waren seine wissenschastlichen Leistungen, die in seinen letzten Lebensjahren hervortraten. In Galizien geboren und erwachsen, dort und im südlichen Rußland von früher Jungend an dem Lehrfache sich widmend, war Pinsker für alles Wissen, das nicht specifisch thalmudisch war, sein eigener Lehrer, und sein Wissensdrang gab ihm die unermüdliche Ausdauer, daß er bei aller anstrengenden Berufsthütigkeit ein tüchtiger, auf der Höhe der Zeit stehender und zur selbstständigen Weiterführung der Forschungen geeigneter Gelehrter wurde. Er erwarb sich nicht blos allgemeine wissenschaftliche Bildung in einem für jene Gegenden uugewöhnlichen Maße, er eignete sich auch die volle Kenntniß der wichtigsten Sprachen an; er wußte sich des Deutschen zum schriftlichen Ausdrucke mit voller Sicherheit zu bedienen, er verstand die classischen Sprachen und erwarb sich große Fertigkeit im Lesen arabischer Texte. Er hatte somit ein reiches Material, das er treu und fleißig für das Studium, das ihm zugleich Herzensangelegenheit war, für die tiefere Erforschung der hebräischen Sprache und Erklärung der heiligen Schrift, sowie für die Aufhellung dunklerer Particen in der jüdischen Literaturge-