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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 159

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 159 (sequence 162)
Language
German
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Aomber: Gajath, Hilchoth Peßachmr.!59 Trostes entsprechen, welche Gott Israel darreichen wird. Diese vier Becher sollen in Bibclversen nachgewiesen werden; jedoch werden blos drei Verse angegeben, der eine aber (Ps. 116, 13) lautet: כוס ישועות, u»d dazu bemerkt der Verf.: ׳dkl שנים אהד ליפזרת תמשית לעתיד לבא, das drücke zwei Becher des Heils ans, nämlich einen für die Tage des Messias und einen für die zukünftige Zeit. Die ursprüngliche Quelle für diese Hagadah ist jerus. Peßachim 10, 1; dort heißt es jedoch blos: כוס ישועות אשא תמיין, es seien darunter zwei zu verstehen, offenbar weil ״ ,ישועותHeile", im Plural steht, daß jedoch ein zu zwei verschiedenen Zeiten anbrechendes Heil darunter gemeint sei, wird nicht gesagt. Auch in Scheelthoth Abschn. צו Nr. 76 heißt es einfach: כוס ישועות אשא ישועות תרי. Allein schon in Bereschith rabba Ende וישכ C. 88 heißt es: כוס ישועות כוס ישועה אין כתיב כאן אלא כוס ישועות חרא לימות המשיח ואתת לימות גוג, dcr Plural dcutc auf (zwei Bcchcr hin,) cincn zu den Tagen des Messias und einen zu denen Gog's. Daraus nun entnahm diese nähere Bestimmung Simon Kaira in Halachoth gedoloth (Hilchoth Peßach, ed. Wien f. 25b 1), aber mit der Aenderung, wie wir sie auch bei Gajath finden, daß nämlich statt der Tage Gog's die zukünftige Zeit gesetzt ist. In diesen abweichenden Angaben und Bezeichnungen — auf die Hr. Z. wiederum nicht aufmerksam macht — liegt der Ausdruck einer sehr beachtenswerthen Umgestaltung, dogmatischer Anschauungen. Ursprünglich war die ״zukünftige Welt" ganz identisch mit den Tagen des Messias und der Zeit dcr Auferstehung der Todten, und diese Auffassung hält auch die Mischnah fest, wie ich bereits in meinen ״Lesestückcn aus der Mischnah" S. 41 ff. nachgewiesen habe, wozu hinzugefügt werden kann, daß der Ausdruck der Mischnah, die zehn Stämme würden nicht zurückkehren, also vom Messias nicht erlöst werden, in der Baraitha 110b mit dem Ausdrucke wiedergegebcn wird: sie haben keinen Antheil an der zukünftigen Welt, אין לה□ הלק לעול□ תכא. Allein als die Juden in Babylonien wiederum einen lebendigeren Antheil an ״dieser Welt" nahmen, in ihrem neuen Aufenthaltsorte eine gesicherte Wohnstätte fanden, änderten sich ihre Begriffe über das Staatsleben, sie zogen den vorläufigen Aufenthalt desselben der Uebersiedelung nach Palästina vor, und achteten das früher verpönte Staatsgesetz als ein berechtigtes (vgl. meine ״Vorlesungen" S. 146 oder oben S. 69). Damit änderte sich auch die Betrachtung der Zukunft, die Tage des Messias wurden nicht mehr mit der zukünftigen Welt identificirt.

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