Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 155)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2420988-2420989--0803-2421881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
153 Äeeettfionen. 3. Die alten Propheten und Schriftgelehrten und das Leben Jesu für das deutsche Volk von D1\ David Strauß. Randbemerkungen von Dr. Jakob Weil. (Motto aus Lessing.) Frankfurt a. M. 1864. 20 S. 8. Ein wohlbewährter Veteran tritt hier nochmals zum Schutze des zwar nicht direct angegriffenen, aber doch ungerecht und geringschätzig behandelten Judenthums auf. Seine Hand ist nicht erschlafft, die Kraft nicht ermattet, und um so liebenswürdiger erscheint der milde Sinn des Alters gepaart mit jugendlicher Frische und Wärme. Der Hr. Verf. geht in's Einzelne der Gegeneinanderüberstellung von Judenthum und Christenthum in dem bekannten neueren Werke von Strauß ein und belegt mit schlagenden Stellen die ungerechte Auffassung, welche St. von dem ersteren darlegt. Es ist traurig genug, daß den christlichen Gelehrten, auch den unbefangensten unter ihnen, diese Wahrheit so oft entgegengehalten werden muß; jedoch da man von der andern Seite nicht lernen zu wollen scheint, dürfen wir zu lehren, wenigstens ein Zeugniß abzulegen nicht ermüden. Auf ein solches kräftiges Zeugniß beschränkt sich der Hr. Verf.; auf den Hauptrnhalt des Str.'schen Werkes sagt er bescheiden nicht eingehn zu können, aber auch nicht zu wollen. ״Wir würden cs nicht wollen, weil, nach unserer Ansicht, wer, wie der Verf. dieser Schrift, durch seine Geburt und seine Stellung außerhalb des Christenthums steht, weder Beruf noch Berechtigung zu einer solchen Aufgabe hat." — Ueber den Beruf zu irgend einer Aufgabe hat ein Jeder zunächst mit sich selbst in's Reine zu kommen; anders ist es mit der Berechtigung, und hierin können wir dem Hrn. Verf. nicht beistimmen. Wenn man früher nur von der Noth gedrängt, zu einzelnen polemischen Schriften sich entschloß, in neuerer Zeit mehr im Kampfe um bürgerliche Gleichstellung als um religiöse Ebenbürtigkeit sich bewegte und nur in zweiter Linie diese, wo es der Anspruch auf die erstere verlangte, zu vertreten sich anschickte, das Gebiet des Christenthums selbstständig zu betreten jedoch Scheu trug: so lag Dies in der gerechten Besorgniß, sich und der jüdischen Gesammtheit schwere Nachtheile zuzufügen. Man scheute die Empfindlichkeit der Christen und unterließ deshalb, was mau dachte, der Schrift anzuvertrauen; man sprach sich jedoch keineswegs die Berechtigung dazu ab. Was sollte auch zu einer solchen Erklärung der Rechtlosigkeit veranlassen? Die Wissenschaft ist ein Gemeingut, ihre Thatsachcn und Denkmale liegen