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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 153

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 153 (sequence 156)
Language
German
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Weil: Die alten Propheten und Strauß. 183 einem Jeden offen, ein jeder, welcher sich darin einweiht, bildet sich sein Urtheil und hat das Recht, dasselbe auszusprechen. Oder sollten blos die historischen Religionen, so lange sie geltend sind, eine Ausnähme bilden? Sollten blos deren Bekenner berechtigt sein, sie zu beurtheilen? Freilich, sie mögen deren Wirkungen bis auf die Gegenwart herab stärker empfinden, ihrer inneren Lebenskraft sich lebendiger bewußt sein; wer außerhalb steht, muß sorgsam aufsuchen, was dem Bekenner leichter zuströmt, er muß wohl auf sich achten, daß er durch seinen abweichenden Standpunkt nicht die Eigenthümlichkeit des^ Andern sich trüben lasse. Das ist eine ernste Pflicht, kann aber sein Recht nicht verkümmern. Er wird, was dem Bekenner der zu beurteilenden Religion natürlicher ist, wohl aus sich zu achten haben, daß er das fremde Heiligthum mit der geziemenden Ehrerbietung behandle; aber es kann ihm nicht untersagt sein, daß er es überhaupt betrete und mittheile, was er dort wahrgenommen. In der That finden wir diese überzarte Scheu sonst nicht beobachtet. Der Nicht- Moslem bespricht den Islam, seine Entstehung und Geschichte, und unsere Literatur über diesen Gegenstand ist eine reiche und frucht-׳ bare. Die christlichen Gelehrten haben zu allen Zeiten das nachchristliche Judenthum behandelt; auch der Jude dankt ihnen, daß sie es gethan, benützt gerne ihre Leistungen, er beklagt sich nur — das gilt jedoch ebenso bei allen wissenschaftlichen Arbeiten —, wenn sie es mit Voreingenoulmenheit nnd mit nicht genügender Sachkenntniß thun. Daß solche Erscheinungen eintreten, liegt freilich nahe, wo die Wissenschaft das innerste religiöse Leben betrifft, und dennoch muß cs nicht blös dem Außerhalbstehenden gestattet sein, sondern es muß gewünscht werden, daß er Entstehung, Geschichte und Inhalt fremder Religionen zu ergründen und darzustellen versuche. Denn was ihm an unbefangener Anerkennung des Guten abgehen mag, das gewinnt er oft an offenem Blicke für die Schattenseiten; entgeht ihm zuweilen der lebendige Gehalt, den der Bekenner in sich empfindet, so faßt er andererseits die geschichtlichen Thatsachen ohne Vorliebe, ohne liebgewordene Deutung und Beschönigung auf. Die Wissenschaft bedarf der beiden Seiten, wenn sie zur Wahrheit gelangen soll. Sollte also gerade dem Juden die Berechtigung abgehn, über das Christenthum und seine Geschichte im weitesten Umfange des Wortes seine Meinung abzugeben? Im Gegentheile denke ich, daß dessen Wissenschaft den Nachtheil zu leiden hat, daß die Juden ebenso in ihrer Eigenschaft als Nichtchristen im Allgemeinen, wie in der als

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