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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 147

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 147 (sequence 150)
Language
German
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"FII. Die Schulen tm Orient. 147 vor jener Ueberschätzung des Landes, als sei es ein auserwähltes Rüstzeug, ein nothwendiger Tempel Gottes. ״Bessert, ruft er im Namen Gottes, euern Wandel und eure Thatcn, dann will ich mit euch in diesem Orte wohnen, aber verlasset euch nicht auf trügerische Worte zu sprechen: er ist und bleibt der Tempel Gottes (7, 3. 4)". Der frische Pharisäismus, wie er seiner Aufgabe sich bewußt im lebendigen Kampfe während des zweiten Tempels, also auf palästinischem Boden, regcnerirend schuf, sprach im zweiten Buche der Makkabäer (0, 19) die bedeutsamen Worte aus: ״Nicht wegen des Ortes erwählte der Herr das Volk, sondern wegen des Volkes den Ort". Und nicht genug kann das rühmliche Zeugniß hervorgehoben werden, das das babylonische Judenthum von sich selbst ablegte, in den ersten Jahrhunderten nach der Zerstörung des zweiten Tempels, durch den Ausspruch: ״Wer von Babylon nach Palästina auswandert, Übertritt ein Gebot" (Berachoth 24b, Chethuboth 110b). Nicht an jener Geistesschwäche und Gedankenlosigkeit einer späteren Zeit krankend, die im religiösen Leben und selbst im Gebete blos an Palästina denkt, arbeiteten die Babylonier an ihrer Unabhängigkeitserklärung; sie errichteten sich ihren Kalender nach Berechnung, so weit ihre damaligen astronomischen Kenntnisse reichten, ohne sich an alle die alten Maßnahmen über Sichtbarwerden des Mondes in Jerusalem zu binden, und sie verschoben sogar die Feste nach bestimmten Lebensbedürfnissen. Sie beteten für die Fruchtbarkeit ihres Landes, nicht Palästina's, sie beachteten ihre Regenzeit, wann deren Eintritt für ihr Land nothwendig sei, nicht wann für Palästina, und begannen zu dieser Zeit, nicht zu jener, welche für Palästina vorgeschrieben war, die Bitte um Regen (Thaanioth 10a, vergl. Ascher b. Jechiel das.). Diese kräftige Selbstständigkeit, welche sich von dem zerrütteten Palästina emancipirte, repräsentirte sich weiter Ln den Exilsürsten und Geonim, und gab für alle Zeit dem babylonischen Thalmud und seinen Lehren das Uebergewicht. So oft später kräftige Bildung irgend ein Land und das Judenthum Ln demselben durchdrang, übersah man Palästina, und nur die impotente Alterthümelci des Karäismüs klammerte sich daran. In der ersten Kraft des Islam stand den Juden Bagdad über Jerusalem, keine Sehnsucht führte dahin, nur höchstens, daß das Gebet herkömmlich die vorschriftsmäßige Klage über die Zerstörung des Tempels, das Schwinden des Opferdienstes und die vererbte Bitte für die Rückkehr aussprach. Aber das Leben strafte diese ganze li- 10*

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