Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 151)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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m V1I. Die Schulen im Orient. iurgische Palästina- Lust Lüge. Erst als die Bildung marklos wurde und zur Romantik umzuschlagen begann, begegnen wir der krankhaften Sehnsucht bei Juda Ha-Levi, und wie erscheint er allen seinen Zeitgenossen als ein Schwärmer, den sie hochachten und lieben, den sie aber gar nicht begreifen können. Wo finden wir im kräftigen, wenn auch wenig gebildeten Aufschwünge Nordfrankreichs, wo bei der emsig sammelnden Bildung der Provence irgend ein Verlangen nach Auswanderung, irgend einen Zug nach Palästina? Nur wenn die Leiden hereinbrechen, die Heimath unsicher wird, die geistige Klarheit sich trübt, da zieht mystische Grübelei dorthin. Wie hat sich nun in dem glaubensstarken Israel geschichtlich die Anhänglichkeit an Palästina bewährt? Sie hat seine geistigen Schätze für die Ewigkeit verwendet, sich aber nicht für seine zeitliche Misöre verantwortlich erklärt. Was soll nun mit einem Male unter uns jenes unruhige Verlangen — nicht nach Auswanderung, diese Selbsthingabe hat das schwächliche Epigonenthum der Romantik nicht, aber doch — nach Thaten für den Orient, für Palästina, für Jerusalem? Arbeitet dahin, daß das Judenthnm eine geistige Macht werde innerhalb der Kulturvölker, befreit es von dem geistigen Sklavengewande, das es noch immer trägt, wenn es auch sonst noch so gleichgestellt sein mag Ln äußeren Rechten und Ehren, wirket dafür, daß das Judenthurn ein geistiger Factor werde in der Weltgeschichte, daß es nicht in sich abgeschlossen bleibe und daher nicht ein sieches Dasein führe, — und ihr habt eine That ausgeführt, die dem Judenthum aller Zeiten und aller Orte wahre Frucht bringt. Nachdem Juda Ha-Levi nach Jerusalem gekommen, ist er verschollen, von Nachmanides' Wirken in Palästina, berichtet kein Blatt; aber was sie an geistiger Arbeit früher auf heimischem Boden vollbracht, erfrischt noch heute, und noch mehr was kräftigere Geister für alle Zeiten erbaut. Ein Maimonides in dem verpönten Aegypten hat mehr für die Juden geleistet als tausend fromm Beschauliche in den geweihten Räumen der jerusalemischen Tempeltrümmer. Wozu solchen nebelhaften Träumen die Hand bieten, wozu ihnen einen Nimbus verleihen, ihnen unsere Kräfte und Mittel leihen, die so vielen fruchtreichen Bestrebungen entgehen müssen? Ich lese soeben über Sulpice Boisserve, der ein volles Leben, große Anlagen, die reichsten vielseitigsten Mittel für die Bewahrung und den Weiterbau des Kölner Doms verwendet hat. Kunst-Enthusiasmus, deutscher Patriotismus, Pffege des Mittelalters und —