Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 149)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Vit Die <Lchuien int Orient. voll in He heimischen Sitten eingegangen wird, einen wesentlichen Erfolg erwarten, wenn die ganze Umgebung, Volks- und Staatsbewnßtsein, Gesetze und Gebräuche nicht die geistige Luft aushauchen, unter der allein die Schule gedeihen, die Jugend erstarken kann? Ist in einem Volke das innere Bedürfniß erwacht, so schafft es sich seine Institute und findet auch die Mittel dazu; so lange jenes nicht der Fall ist, nützen alle entgegengebrachten, aus fremdem Geiste geborenen Anregungen Nichts. Die Unfruchtbarkeit eines solchen ausgestreuten Bildungskeims, wenn er blos einer einzelnen Volkselaffe zu Gute kommen soll, die einen geringfügigen Bestandtheil bildet, ist noch um so weniger zu besiegen. Wie kann eine gebildete jüdische Jugend heranwachsen in Mitten eines indolenten türkischen Volkes, gedrückt von fanatischen Moslems, unter der Willkür eines gesetzlosen SLaatslebens, preisgegebcn aussaugenden Pascha's und räuberischen Beduinen? Und nun gar jene Ermunterungen zum Ackerbaue, der unter der Last der Bedrückungen erliegt, der Bau von Pilgerwohnungcn, ,der neue Einwanderer zum Elende und zum Müßiggänge verlockt: kann daraus ׳Gutes entstehen? Wovor wir aber besonders warnen möchten, das ist, daß sich in diese Bestrebungen nicht die Romantik vom ״heiligen" Lande, von der Verpflichtung, die wir gegen den Mutterboden unserer Neligion haben, einmische. Wurde diese s. g. Verpflichtung schon seit langer Zeit von der Bettelei ausgebeutet, so gestaltet sie sich Ln Höheres erstrebenden Geistern leicht zu einer Aufforderung, dem dortigen leiblichen und geistigen Elende abzuhelfen, seine Quellen zu verstopfen. Wir würden, wenn die Sache ausführbar wäre, die Motive nicht weiter untersuchen und das wohlthätige Werk bereitwilligst anerkennen. Nun uns aber die nothwendige Nutzlosigkeit aller dieser -Bestrebungen einleuchtend ist, da wir die reichen Kräfte, die dafür verwendet werden, mit Bedauern unfruchtbaren Unternehmungen zugewendet und anderen ebenso dringend nöthigen wie erfolgreichen und weit näherliegenden Aufgaben entzogen sehen: da erscheint es doch als Pflicht, diese romantischen Schatten dem Reiche zuzuweisen, dem sie angehören. Wenn es dafür eines Beleges bedürfte, daß unsere Zeit einer krankhaften Richtung huldigt, es genügte hinlänglich jenes wuchernde Hervorbrechen der verschiedenartigsten Projecte für Palästina und den Orient. So oft ein kräftiger Geist das Judenthum durchzog, wirkte man für dieses und dessen Erstarkung; der Boden, auf dem es zuerst erstanden, galt als Nebensache. Schon Jeremias warnt