Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 138)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Grabinschriften. 135 natr\Q KQiömva ds [1^[70ן\ II()0ssv%0l0 sv siQrjvrj trjv TtvprjCiv (= Koifi’) avtov ״Hier liegt Jose, das süße Kind, und es lebte 2 Jahre und 8 Monate. Prokopis der Vater, Krispina die Mutter. Bete, daß in Frieden sein Schlaf sei!" Diese einfachen Eulogieen werden uns nicht 'neu sein, und wenn der englische Referent überrascht ist, weil er dieselben für ausschließlich christlich hielt, so ist Dies nur wieder ein Beweis von der Unkenntniß altjüdischer Sitte. Ebensowenig werden uns die sich bei den Inschriften befindenden Symbole überraschen. Der siebenarmige Leuchter und das Oelkrüglein sind Symbole, die man schon vielfach auf jüdischen Grabsteinen der alten Zeit gefunden, und sie sind ihnen cigcnthümlich. Wenn uns nun das Fehlen dieses Emblems auf christlichen Inschriften, als der Abbildung eines Geräthes aus dem jüdischen Tempel, nicht auffallen mag, so bedarf doch der Umstand, daß es mit Vorliebe für den jüdischen Grabstein gewählt wurde, immerhin der Erklärung. Diese wird uns, wie ich glaube, erleichtert durch ein anderes Symbol, welches sich neben den genannten auf den jüdisch-römischen Grabsteinen zuweilen findet; cs ist dies eine Art Scheere oder Zange, kurz ein Schneide-Instrument. Gerade dieses findet sich auch vielfach aufchristl. Grabdenkmalen, und man hat es für ein Marter-Instrument gehalten. Diese Deutung wird durch die Auffindung desselben auf den jüdischen Grabsteinen unwahrscheinlich, da cs bei ihnen offenbar mit Leuchter und Oelkrüglein im Zusammenhange steht. Mir scheint demnach der Leuchter das Symbol der Seele zu sein, denn ״ein Licht Gottes ist die Menschenseele", wie es in Spr. 20, 27 heißt; ist das Oelkrüglein, das die Nahrung spendet, leer, dann erlischt das Licht, oder es wird auch durch das Zänglein, welches auch ein Geräthe für den Tcmpelleuchter war (מלקחים), ausgelöscht. Am Passendsten wäre cs, wenn ein solches Zünglein sich vorzugsweise bei Solchen befände, die in frühem Alter gestorben, als Andeutung, daß das Seelenlicht nicht von selbst aus Mangel an Nahrung erloschen, sondern vorzeitig ausgelöscht worden. Jedoch kann ich darüber nach bloßer Vermuthung nicht entscheiden. Das Zünglein nun trug man auf christliche Denkmale über; es war nicht so specisisch jüdisch. Den Leuchter scheute man. Auch der Palmzweig ist ein beliebtes Sinnbild. Wenn man auch dieses früher als christliches betrachten wollte, so zeigt sich nun diese Annahme als unberechtigt. Uebrigens findet sich ja der Palm-