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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 130

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 130 (sequence 133)
Language
German
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130 rV. Grabinschriften. heißt, so stimmte die Berechnung nach der Schöpfung nicht mit der üblichen jüdischen überein. Diese berechnet 3760 Jahre der Schöpfnng beim. Eintritte der christlichen Zeitrechnung, während hier 3911 Jahre berechnet werden, also 151 Jahre mehr (nicht 150, wie Mnralt a. a. O. hat). Dem entspricht dann, wenn auf Nr. 6 das Jahr 4536 gleichgestellt wird dem der Metarkier 4385; letztere (vergl. Chwolson a. a. O.) war nämlich die übliche jüdische Zeitrechnung, die hier als dritte auf diesen Steinen vork'ommt. Demgemäß datirt dann die vierte Grabschrift die Zeit vom I. 180, die fünfte vom I. 305, die sechste vom I. 625, die siebente vom I. 670, die achte von 678 und die neunte von 719 n. Ehr. Was nun zuvörderst die beiden ungewöhnlichen Aeren betrifft, so würden diese kein besonderes Bedenken erregen. Wenn wirklich Juden schon zu so früher Zeit in jenen Gegenden lebten, so liegt die Annahme nicht fern, daß sie Auswanderer aus dem Reiche Israel gewesen, die demnach nach dem assyrischen Exile rechneten. Daß ihre Berechnung um etwa 30 Jahre von der nnsrigen abweicht, mag nicht auffallen; die Zeitangaben über jene alte Geschichte stehn nicht so fest, daß nicht verschiedene Berechnungen sich geltend machen können. Ob man damals auch bereits nach der Schöpfung gerechnet habe? Bei den Juden, den Auswanderern aus dem zweiten Tempel, finden wir diese Aera nicht so üblich, vielmehr gewöhnlicher nach dem zweiten Exile. Dennoch finden wir. ja auch in der Gemara Abodath Elilim 9b schon die genaue Berechnung nach der Schöpfungsaera. Besonders mag vom Eintritte des fünften Jahrtausends an, d. h. nach vollendeten 4000 Jahren dieser Rechnung, die Aera mehr Beachtung gefunden haben. Von dieser Zeit an nämlich erwartete man die Ankunft des Messias, und auch jene fernen Jsraeliten mögen diese Erwartung mit den Judäern getheilfund von da an diese Aera angenommen haben; da das assyrische Exil nun schon lange vorübergegangen, im Andenken attmälig verblich, gebrauchten sie die Schöpfüngsära mit ihrer hoffnungsvollen Verheißung, während die Jndä'er die frische Erinnerung an die neue Vertreibung durch die Römer bewahrten und danach zählten, die Erwartung der baldigen meffianischen Befreiung unter dem schweren Drucke, den sie erfuhren, zu schwach war, um die Aera nach dem vierten Jahrtausend, als dem Beginne der zu verwirklichenden Hoffnung festzustellen. Eiu anderer Umstand bedarf aber noch der Erklärung. Woher kommen die Inschriften zu der abweichenden Schöpfüngsära? Auch diese Er-

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