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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 126

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 126 (sequence 129)
Language
German
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126 HI. Ein Stückchen Mittelalter. selbst in den Zeiten der Unordnung betheiligen sie sich an allen Landesangelegenheiten, ein Süßkind von Trimberg ist mit Pfleger des deutschen Gesanges, wie der Vers, selbst (S. 6) berichtet. Aber was nützt es ihnen? Sie werden von Haus und Hof getrieben und das Recht eines eignen Besitzthums wird ihnen versagt; die Zünfte schließen sie aus und wachen mit ängstlichem Neide darüber, daß der Jude nicht Hand und Thatkrast rühre, und den armen Süßkind — ״scheiden die Herren von ihrem Gute". Und da kommt man mit dem wohlfeilen Rathe, mit dem nachträglichen Bedauern: Ach, daß ihr so verblendet gewesen, daß ihr nicht als ehrsame Handwerker euch in Liebe eueren Mitbürgern angeschlossen! Der Historiker müßte doch wissen, wenn er es auch nicht mit erlebt hat, welch' ungeheure Anstrengungen es selbst unter den ganz geänderten Umständen der neueren Zeit im letzten halben Jahrhundert die Inden gekostet hat, bis sie in die verschlossenen Hallen der Gcwerbsthätigkeit eindringen konnten, bis man ihre Mitthätigkeit in den offentlichen Angelegenheiten zuließ und anerkannte, ja er sollte wissen, daß die Nachwehen mittelalterlicher Starrheit weder in diesem Punkte noch auf anderen Gebieten ganz überwunden sind, und darum bleibt uns dieses Urtheil völlig unbegreiflich. Wir verdammen das Mittelalter, diesen nothwendigen Durchgangspunkt, nicht, aber über einer vorehmen falschen Objectivität des geschichtlichen Maßstabes steht noch die Objectivität des sittlich-humanen Princips; die unparteiische Kritik des Mittelalters hat die Geschichte der neueren Zeit vollzogen. 16. August. NS. vom 2. September. Noch zur rechten Zeit kommen mir zwei Schriftchen des Hrn. Dr. G. Wolf, des fleißigen und unbefangenen Sammlers aus Archiven, zu; auch durch sie werden wir in der richtigen Beurtheilung des Mittelalters und in der schmerzlichen Erkenntniß seiner Nachwehen bestärkt. ״Die Juden in der Leopoldstadt (unterer Werd) im 17. Jahrhundert in Wien" ist der Titel des einen (109 S.), ״das hundertjährige Jubiläum der israel. Cultusgemeinde in Wien im Jahre 1864" (28 S.) der des andern. Wieder dieselben Erbärmlichkeiten! Trotz durchbrechender Einsicht werden die Juden gequält und mehrmals vertrieben, weil auf der einen Seite der Krämerneid, auf der andern das Aufhetzen von

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