Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Ein Stückchen Mittelalter. 128 todesmuthig die Axt an die Wurzel zu legen genöthigt war. Jene ״ehrsamen Bürgerschaften" mit ihren Magistraten haben wir schon hinlänglich kennen gelernt: sie kriechen und lügen vor König und Kaiser, begünstigen zuerst jede Schandthat, lassen sie unbestraft und sprechen dann von Fremden, die sie angezettelt hätten, und scheuen nicht die erbärmlichsten Winkelzüge. Jedoch es ist nicht unseres Berufes, ein Uriheil über Weltperioden zu fällen; wir überlassen es dem Historiker. Aber ernstlich verwahren müssen wir uns, wenn mittelalterliche Vorliebe den Juden einen Makel anhesten will. Allerdings war auch der Jude des Mittelalters kein Musterbild; wie hätte er es sein sollen unter solcher Umgebung und unter solchem Drucke? Aber dieser Druck war ein unverschuldeter, und wer das Gegentheil sagt, nur theilwcise ahnen läßt, der — wir können uns des Ausdrucks nicht erwehren — fälscht die Geschichte. Wir bedauern es daher herzlich, in des Verf. Darstellung Sätze zu lesen, wie etwa folgende (S. 32): ״Wären sie (die Juden) doch nur zur rechten Zeit aus ihrem Friedenstraume erwacht und durch Erneuerung ihres Lebens, durch innige Verbrüderung mit dem Volke, von der falschen Sicherheit zur wahren gelangt! Der erste Handwerker aus jüdischem Stamme, der redlich, tüchtig und sieißig war, der seinen Gewerbsgenossen zu nützen, von ihnen zu lernen, mit ihnen fröhlich zu sein verstand, der seinen Nebenmenschen bescheiden und gewissenhaft diente und im Schweiße seines Angesichts sein ehrenhaftes Brod verzehrte — er hätte mehr für die Sache der Duldung und der Versöhnung gethan, als jene Geldmächtigen, denen die Fürsten schmeicheln und hilfsbedürftige Kaiser Besuche machen! Aber das Tragische menschlicher Geschicke liegt eben weniger darin, daß man, am Rande eines Abgrundes, keinen Ausweg fände, als vielmehr darin, daß man keinen sieht." Ist das wirklich das Urtheil der unparteiischen Geschichte? Cs hätte wirklich an den Juden gelegen, nur freundlich sich ihrer Mitbürgern zu nähern und in nützlichem Gewerbe Achtung sich zu erringen? Die Elenden, die Solches unterließen und statt dessen durch Geldgeschäfte am Mark des Landes zehrten und den gerechten Haß des Volkes auf sich luden! So sollten wir wirklich vom gesicherten Standpunkte aus voll ekeln Tugendstolzes den Stein auf die gehetzten Ahnen werfen wollen, dürfen? Nicht Pietät, die kälteste Gerechtigkeit muß uns vor solchem Urtheile bewahren. Wo und sobald es ihnen möglich ward, sind die Juden Ackerbauer, Handwerker — man sehe nur auf Polen hin —,