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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 124

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 124 (sequence 127)
Language
German
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124 III. Ein Stückchen Mittelaller. Verbindung mit der Habgier in den erbärmlichsten und niedrigsten Quälereien, Ln jämmerlichster Engherzigkeit, bornirtestem Krämerneide u. dergl. sich äußerte. Der ״Glaube" gab Vorwand und Anlaß zu allen diesen Schandthaten, ofyiic in jene erhöhte Stimmung zu versetzen, welche selbst in der religiösen Verblendung und Leidenschaft sichtbar ist, aber doch indem er jedes andere edlere menschliche Gefühl verstummen machte und das niedrige Gelüste sanctionirte. Wir erkennen es, daß die Menschheit in diesem langen Zeitabschnitte, der vom vierten Jahrhunderte an bis an die Schwelle unserer Tage reicht, einen harten Kampf zu besteheil hatte, um sich zur höheren Erkenntniß, zur reineren Empfindung durchzuringen, wir preisen unser Geschick, wir danken dem Lenker der Geschichte, daß er diese Zeiten vorübergeführt, die in ihnen herrschende Rohheit gebändigt: aber wir dürfen dennoch nicht in sorglose Sicherheit uns einwiegeu, vielmehr ernstlich wachen und arbeiten, daß die Spuren, welche noch heute das Mittelalter in unsere Zustände eingräbt, gänzlich getilgt werden, der ächte humane Sinn mehr und mehr erstarke. Wie die Geschichte des Mittelalters im Großen unb im Einzelnen, wie namentlich die Betrachtung der jüdischen Zustände in einem gesunden Sinne andere Empstndungen erwecken kann, ist mir unbegreiflich. Daher ist es auch höchst befremdlich, wenn der Verf., dessen klare Darstellung alles Lob verdient, dieselbe mit schwunghaftem Preise des Mittelalters einlcitcn kann. ״Die Geschichte, sagt er, kennt auch eine Blüthezeit edlen Ritterthums, sie kennt ncanche Epoche echten Aufschwunges hu nerhalb der Kirche, insbesondere erzählt sie von einem Bürgerthume, das in den letzten 2 Jahrhunderten des Mittelalters neben Adel und Geistlichkeit, ja an ihre Stelle trat und zum Träger höherer Bildung und Gesittung wurde. Die Geschichte weiß von keinem mehrhundertjährigen Stillstände." Wer in diesen Worten mehr als Phrase findet, dem wollen wir seine Lust daran nicht verderben, uns aber muthe man nicht zu, wegelagernden, rauflustigen Adel als Blüthe zu ehren, die ausschließliche Herrschaft der Kirche als Aufschwung, sich gegen einander abschließende Städte als Träger höherer Bildung zu achten. Daß zu keiner Zeit die edle menschliche Natur erstickt ist, auch großartige Bestrebungen hervortreten, der Kampf des Lichtes mit der Finsterniß unausgesetzt geführt wird, versteht sich am Ende von selbst aber ebenso bezeugt cs jedes Blatt der Geschichte, daß in nahe an fünfzehn Jahrhunderten der Kampf ein höchst mühsamer, die Bildüng faul, die Gesinnung entartet war, bis endlich eine neuere Zeit

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