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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 123

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 123 (sequence 126)
Language
German
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III. Ein Stückchen Mittelalter. 123 begann die Verfolgung damit, daß der Rath mit einer Beschuldigung gegen die Inden vor dem Könige erschien, und endete mit der Einwilligung des Königs in die Bestrafung der Angeklagten". Naturlich war die Anklage ein albernes Mä'hrchen, eine geweihte Hostie sollte von Juden angekauft worden sein; darauf wurden sämmtliche Juden der Stadt, Männer, Frauen und Kinder, gefänglich eingezogen und ihre Guter eonstscirt. Der Nath berichtet an den König, dieser bekundet seinen Schrecken über die ״Unehr, so dem christlichen Glauben geschehen," giebt der städtischen Behörde für ihre treue Hingebung an Gott und an ihren natürlichen Erbherrn seinen vollen Beifall zu erkennen, billigt, was bisher in der Sache geschehen, und sendet Bevollmächtigte znr Untersuchung und zum Gerichte. Die Juden wnrden einem Verhör unterworfen; die Folter gab den Fragen Nachdruck und — ״die Juden gestanden Alles. Sie hätten das heilige Sacrament von Christen gekauft, gestochen und mit Ruthen geschlagen, und es wäre wahrhaftig ein Wunderwerk gewesen, wie aus der geschmähten Hostie Blut geflossen sei." Eine getaufte Jüdin wußte noch Anderes vorzubringen, und die Folterqual nöthigte den Unglücklichen noch Bekenntnisse ab, welche auch über die Gemeinden anderer Städte gleiches Unheil heraufbeschworen. So wurden denn ״die des Verbrechens Uebcrwiesenen" mit dem Feuertode bestraft, aber auch die Anderen, obgleich Unschuldigen, ״auf des Königs Geheiß" aus der Stadt getrieben ״um dieser und anderer großen Missethat und Schuld willen"! Alle mehr als siebenjährigen Kinder wnrden von der Seite ihrer Eltern gerissen und getauft, das Vermögen, auf welches der König in seinen Briefen immer einen besonders hohen Werth legt, wird fast ganz von den Kosten aufgezehrt. Endlich gewährt;455 der König, wie ein Jahr früher den Bürgern von Brünn und Olmütz, zwei Jahre später den Schweidnitzern, so nun den Breslauern ihre ״redliche Bitte", daß ״fernerhin kein Jude und keine Jüdin in ewigen Zeiten zu Breslau ihre Wohnung oder ihr Wesen haben sollten". Wir haben dieses Stück mittelalterlicher Geschichte, uns knapp an Darstellung und Wortlaut des Vcrf. anlehnend, in gedrängter Zusammenfassung nacherzählt. Mit welchen Empfindungen verläßt man nun diese und ähnliche Erzählungen? Mit einem gerechten Schauder vor dem Mittelaller, in welchem die natürliche Rohheit durch die Seligpreisung und Hegnng der Unwissenheit zum dauernden Nechtszustande befestigt, durch Fanatismus heilig gesprochen, in

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