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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 122

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 122 (sequence 125)
Language
German
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m III. Ein Stückchen Mittelalter. Vertrag nicht aufkündigen werden, auch nicht auf .irgend Eines Verlangen und Drohung, ״selbst wenn diese von Seiten des Herzogs von Schweidnitz famc". Aber für die feierlichsten Gelöbnisse hat das Mittelalter ein gar kurzes Gcdächtniß. Dennoch geräth der Breslauer Magistrat dadurch in eine andere Sorge. Alle Inden, klagt die ehrenwerthe Behörde, wollen von uns wegziehen, obgleich ihnen jedes von Seiten des königlichen Herrn sowohl als auch der Stadt ertheilte Versprechen unverbrüchlich gehalten worden ist. Jedoch scheint blos ein Theil der Juden die Absicht ausgeführt zu haben. Waren sie denn auch irgendwo sicherer? Ueberall erlangen sie nur das Recht zeitweiligen Aufenthalts, und wenn die paar Jahre um sind, wird neu über das Handgeld und den jährlichen Zins für die Erlanbniß, auf den! Boden zu weilen, gefeilscht. Der Verf. schildert uns S. 23 ff. die Einzelnheiten dieses freudlosen Lebens und die Empfindungen, die es erwecken mußte. Eine milde Erscheinung ist die Herzogin Agnes von Schweidnitz-Jauer; doch was vereinzelter weiblicher Zartsinn empfand, vermochte die wilde Rohheit des Mittelalters nicht zu sänftigen. Im Gcgentheile steigerte sich Gehässigkeit und Willkür im 15. Jahrhundcrt. Herzöge und Städte, die ihre Schulden nicht zahlen wollen, grollen finster den Gläubigern, wenn diese auch keine strengen Mahner sind; Aebte und Weltpriester stachelten zur Wuth an. ״Judenhaß üben und Judenhaß lehren, führte unfehlbar zur Popularität." Die Geistlichkeit nimmt sogar keinen Anstand, offen den Judenmord zu entschuldigen, d. h. dazu zu provociren. Da trat Capistran auf — dessen Heiligen- und Wundergeschichte neuerdings die Bollandisten wieder umständlich vorführcn —; seine Predigten versetzten die Zn- Hörer in bedrohliche Aufregung, und sein Andringen vermochte den König, alles bisher zu Recht Bestehende mit einem Schlage umzustoßen. ״Das Volk, sagt der Verf., sah dem Ausgange mit Ruhe entgegen. Es durfte den Führern und insbesondere seinen eigenen Vertretern, den Nathmänncrn, vertrauen, die jetzt nicht mehr, wie früher, die Sache der Juden führten — noch ein bis zwei Decennien früher übcrwog beim Rathe das Geldinteresse. Und so besteht zwischen den Ereignissen der Jahre 1349 und 1453 ein cigenthümlicher sehr bemerkenswerther Gegensatz. Damals wurden die Juden meuchlings gemordet, und der Magistrat schrieb die That, um sich vor dem Könige zu rechtfertigen, unbekannten Fremdlingen zu; der König aber befahl strenge Bestrafung der Verbrecher. Im Jahre 1453 dagegen

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