Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Ein Stückchen Mittelalter. 12t Die er verwüstet und gebannt? Die offenen Dörfer, ״ihnen angcschloffen, Da sind die Seelen in Angst zerflossen. Soll ich sie zählen? Sie sind mehr als der Sand; Mich durchglüht's wie von Herzensbrand. Es genügt daran, um nachzuweisen, daß noch manche Einzelheilen aufzusuchen sind, um diesem Schauergemälde die angemessenen Farben zn geben. Denn ein Schauergemälde bietet uns Herr Dr. Oelsner, wie eine jede solche Einzeldarstellung aus dem Mittelalter nicht Anderes bieten kann. Die deutsche Einwanderung in Schlesien vertreibt die Juden von Grund und Boden, verdrängt sie von der ehrbaren Beschäftigung mit dem Ackerbaue auf die niedrigen Privilegien des Geldausleihens auf Zins und Pfänder; sie werden geschützt, weil und solange sic den Großen in ״augenscheinlicher Geldverlegenheit" helfen. Doch Nichts wird an ihnen geachtet; wurden die Lebenden mit Abgaben gequält, die Steuern vorausgenommen und sie von künftiger Besteuerung freigesprochen und dann doch der Stadt zn neuer Ausbeute geschenkt: so wurden auch die Grabsteine vom Könige der Stadt überwiesen, um die Mauern derselben aufzurichten, und ״man schonte selbst die frischesten Gräber nichts So ward das Gefühl der Pietät auf's Tiefste gekränkt. Die Bischöfe wissen jede Ehrenstellung irgend eines Juden zu untergraben, jeden traulichen Verkehr mit den Christen gewaltsam zu hemmen. Noch war das Loos erträglich, da brach das Jahr 1340 herein mit seiner Raserei, die alle Rohheit entfesselte. ״Die schutzpflichtige Behörde folgte nach wie vor den Eingebungen ihres Interesses." Mehr als um die Ergreifung und Bestrafung der wilden Mordgesellen war cs dem Könige und namentlich der Stadt zu thun um die ״Hinterlassenschaft der Gemordeten"; jeder wollte sich das Blutgeld aneignen, endlich ״theilten sich König und Stadt in die Erbschaft der Getödteten." Was verfügten nun aber die Beutetheiler für die Lebenden, für die Zukunft? Die Juden werden Ende 1350 wieder zugelassen; da bricht 1354 ein neuer Schlag herein. Durch die Boten des Herzogs von Schweidnitz werden zwei der reicheren und angeseheneren Juden entführt ״ohne Wissen der städtischen Behörde." Was kümmert diese ein solcher Friedensbruch, da er blos zwei Juden traf? Sie hatten zwar denselben, die den lauernden Feind kannten, gelobt, daß sie ihnen den