Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
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112 II. Zur Geschichte der Maßorah. die Priester das höchste Ansehen im Staate genossen und die Berechtigung dazu recht nachdrücklich betont werden sollte. Wir finden ein solches Verfahren Lei dem Verfasser der Chronik und des Nehemias ganz natürlich; wie verhält es sich aber mit 3 Mos. 2t, Id Nun, wir erkennen gerade daraus, daß auch dieser Abschnitt des Leviticus einer Zeit angehört, welcher die Verherrlichung der Priester als Aaroniden sehr am Herzen lag, und Inhalt wie sonstige Ausdrucksweise bestärken uns in dieser Vermuthung. Der Gebrauch des gehausten אמר statt דבר לאמר (V. 1), des עמיו als des Priestcrgeschlcchtcs (33. 1. 4. 13. 14) und gar des מעל מעמיו als des Hohenpriesters (V. 4), der hochheilige Charakter, welcher den Priestern nicht blos in Betreff der Berührung eines Todten, sondern auch für ihre Heirathen beigelegt wird (vergl. meine Bemerkungen in he-Chaluz V S. 73 ff.), der Umstand, daß das Verbot des Kahlscheerens und Einschneidens in's Fleisch, welches in einem vorhergehenden Abschnitte (19, 27 f.) für ganz Israel aufgestellt ist, hier (V. 5) auf die Priester beschränkt wird — gerade wie 22, 8 der Genuß des Aases und des Zerrissenen ausschließlich dem Priester verboten wird (vergl. Ezech. 4, 14 und 44, 31), während es 3 Mos. 7, 24 und 17, 15 als ein allgemeines steht, 2 Mos. 22, 30 blos von dem Zerrissenen, umgekehrt 5 Mos. 14, 21 nur von dem Aase, aber immer als Allen untersagt, spricht —: das sind Alles Momente, welche uns in dieselbe Zeit hinführen. Aus solchen einzelnen Beispielen läßt sich wohl zur Genüge erkennen, welche wichtige Handhaben ein einsichtiges Studium der Maßorah darbietet; allein zu einem solchen oder überhaupt zu einer gründlichen Beschäftigung mit ihr, um ihren Inhalt correct zu erfahren und zu verwerthcn, sind kaum die Anfänge gemacht. Die Bekanntschaft mit ihr, mit den zahlreichen Handschriften, welche sie Ln ihrer verschiedenen Gestalt enthalten, ist schon seit Jahrhunderten so spärlich geworden, daß man gar nicht mehr wußte, ob denn wirklich früher auch die Maßorah in der Gestalt einer umfassenden Uebersicht existirt habe, oder ob sie so erst von Jakob ben Chajim am Ende der Bibelausgabe geordnet worden, diese ganze Zusammenstellung, die er eben aus den vereinzelten unmittelbar neben dem Texte befindlichen kleinen und großen Maßorah's vorgenommen, ausschließlich sein Werk sei. Aus seinen Worten, mit denen er diese Arbeit einleitet, geht nicht hervor, ob er eine oder gar mehrere solcher Ueber-