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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 109

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 109 (sequence 112)
Language
German
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II. Zur Geschichte der Maßorah. 109 Noch mehr! Die kleine Maßorah hat in Jer. ausdrücklich: niTU ה הד הלא, das Wort גרעה komme zwei Male vor, das eine Mal plene (mit Waw als Vocalbuchstaben, nämlich in Jes., während es an der bezeichneten Stelle im Jer. defective stehe). Ebenso stellt die Schlußmaßorah unter dem Buchstaben Daleth ein Alfabeth von Wörtern zusammen, die einmal mit Daleth, einmal mit Resch vor-- kommen, und das hierhergehörige גרועה, wenn in Jes. so gelesen würde, und גרעה ist nicht mit ausgenommen. Also maßorethisch steht fest, daß auch in Jes. mit Resch zu lesen ist, wie auch bereits Norzi z. St. darthut. Wenn nun Gesenins umgekehrt dies Wort mit Daleth für Jesaias festhält, das mit Resch als erleichternde Correctur des Jeremias betrachtet, so beruft er sich mit Unrecht auf den recipirten Text; die Lesart mit Daleth hat vielmehr durchaus keine historische Stütze und kann nur als eine kritische Conjectur betrachtet werden, die wir dahingestellt sein lassen können, die aber nun, da sie ihrer historischen Stütze beraubt ist, sehr wenig für sich hat, da גרע blos ״abhauen" bedeutet und es sehr ungeschickt wäre, vom Abschneiden des Barthaares zu sagen: Jeder Bart ist abgehauen! Es genüge vorläufig an diesen beiden Beispielen, um zu zeigen, wie man vom maßorethischen Texte spricht, ohne nur im Geringsten zu untersuchen, lvie denn dieser wirklich lautet. Nun aber verdient dieser doch, wenn ihn auch die Kritik nicht immer als den ursprünglichen betrachten mag, als ein althistorischer immerhin volle Beachtung. In jeder anderen Literatur sucht man vor Allem den historisch bezeugten Text festzustellen und geht erst nachher an die selbstständige Conjectur; bei der hebräisch-biblischen aber hat man in neuerer Zeit jede ernster eingehende Prüfung über die wirkliche Gestalt des überlieferten Textes bei Seite gelassen, sei es, weil man sich vornehm darüber wegsetzte, oder weil man die Mühe scheute, und begnügte sich mit einem ganz unberechtigten Texte, an dem man dann willkürlich herumoperirte. Jedoch die Maßorah bietet uns noch mehr. In ihren äußerlichen Gruppirungen sind eine Masse von Thatsachen der Textesgeschichte verhüllt, die uns von Wichtigkeit sind. Die סביחץ und מטעין geben uns Lesarten an, welche von alten Schreibern ausgenommen waren, von der Maßorah zwar als bloße Vermuthungen oder gar als Jrrthümer abgewiesen werden, die aber doch als alte Varianten Beachtung verdienen und sehr häufig sich in den alten Uebersetzern wiederfinden. Die ״Thikkun Soferim", die

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