Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
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108 II. Zur, Geschichte der Maßorah. danken. So erscheinen nach wie vor Ausgaben und Uebersetzungen, die angeblich nach dem maßorethischen Texte bearbeitet sind, ohne daß Herausgeber oder Uebersetzer wirklich einen Blick in die Maßorah geworfen; die Erklärer verhandeln über verschiedene Lesarten oder steifen sich auf irgend eine als die maßorethisch bezeugte, ohne sich zu vergewissern, daß Lies auch wirklich der Fall sei. Diese Anklage bedarf kaum einer Begründung, denn man merkt es überall, daß von Maßorah-Studien gar keine Spur vorhanden ist; doch mögen hier zwei Fälle nachgewiesen werden, die diesen Mangel an Kenntniß und seine nachtheiligen Folgen bloßlegen. Es hat sich in spätem Ausgaben ein Druckfehler בשגם mit Kamez 1 Mos. 6, 3 eingeschlichen; die alten Uebersetzungen und Erklärer jedoch geben das gewöhnliches, auch, wieder, kein alter Grammatiker gedenkt der auffallenden Voealisation, welche das Wort nach der LA. der Ausgaben enthielte. Schon dieses Stillschweigen wäre hinlänglich, das Kamez verdächtig zu machen, aber alte Ausgaben und namentlich Handschriften haben alle ausdrücklich Pathach. Dennoch erbt der Fehler fort, das Kamez gilt als maßorethisch, obgleich die Maßorah gar Nichts davon weiß, Gesenius läßt sich dadurch verleiten, das Wort Har von שגג abzuleiten, und dieser Jrrthum findet reiche Nachfolge, immer gestützt auf die Maßorah, während diese ganz Unschuldig daran ist. Natürlich merkt man auch nicht, daß dieses בשגש. in Verbindung mit andern Umständen uns einen bedeutsamen Fingerzeig für die Entstehung des ganzen Verses bietet (vergl. das Nähere in dieser Zeitschrift I. S. 181, II. S. 156). — Ein zweites Beispiel liefert die Stelle Jes. 15, 2. Dort lesen einige Ausgaben mit Daleth; allein für diese Lesart spricht nicht einmal die Uebersetzung der 70, da diese überhaupt abweicht, und das des Saadias kann ebensogut das גרועה mit Resch wiedergeben. Diese Lesart aber, welche auch Jcr. 48, 37 feststeht, geben alle an-- Lern Uebersetzer, führen alle alten Lexikographen an, setzen alle alten Erklärer voraus, und so findet sich in guten Handschriften, wie auch die ältesten vom Jahre 916 und 1010 haben. Ausdrücklich bezeugt auch die Maßorah diese Lesart. Denn sie giebt die Verschiedenheiten zwischen der Stelle des Jesaias und der des Jeremias an, ohne jedoch eine Abweichung über גרועה und גרעה. anzudeuten, während sie doch diejenige über das unmittelbar vorhergehende jsN כל, wie in Jes. ohne Waw steht, hingegen in Jer.,1כל. mit Waw, verzeichnet.