Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Zur Geschichte der Maßorah. 97 Propheten hervortritt, während das herrschende sich in größerem Einklänge zeigt mit den palästinischen Autoritäten. Der Verlauf ist auch ein ganz natürlicher. Die gebildeten herrschenden semitischen Schwestersprachen,, das Syrische und Arabische, wurden namentlich im Osten gepflegt, Mesopotamien war ein vorzüglich durch Schulen blühendes Land; dort waren auch die Sitze jüdischer geistiger Regsamkeit, halachischer Gelehrsamkeit, und es ist natürlich, daß man dort vom Ende des siebenten Jahrhunderts an sich an der neuen, sämmtliche semitische Dialekte umfassenden Geistesarbeit, die bisher der Schrift entzogenen flüssigen Elemente des Lautes und der Betonung auch für das Auge zu fixiren, auch in den jüdischen Schulen betheiligte. Da jedoch die Kunst der ״Schreiber" doch vorzugsweise auf dem heimischen Boden, in Palästina, gepflegt wurde und weithin maßgebend war, so mußte bald die neue Anregung auch hier besonders eifrig ausgenommen, selbstständig durchgearbeitet werden, und allmä'lig verdrängte die Frucht der palästinischen Arbeit die schon früher gereifte babylonische, so daß das palästinische System von der Mitte des zehnten Jahrhunderts an allgemein herrschend wird, das babylonische in gänzliche Vergessenheit geräth, während früher beide neben einander gingen und eifrige Pflege fanden. , Was demnach ehedem mündliche Ueberlieierung, Maßoreth, war, nämlich die vocalische Aussprache des Textes, das war nun Bestandtheil des schriftlichen Textes geworden; Ueberlieferung der Schule bleiben jedoch die einzelnen Wahrnehmungen, welche man für den Text, nunmehr auch für Vocalisation und Accentuation, machte und feststellte, und so übertrug sich auf diese der Name Maßoreth. Sie waren und bleiben das Werk der Bibelabschreiber; da dieselben jedoch zugleich Vocale und Accente hinzusetzten, so hießen sie von nun an vorzugsweise nach diesem Geschäfte auch נקדנים, Nakdanim, Punctatoren. Oder auch es theilten sich zwei Personen in dem Geschäfte; der Eine schrieb den Text als Schönschreiber, der .Andere setzte Punkte und Accente hinzu, verglich zugleich den Text, ob er allen Regeln und überlieferten Bemerkungen entsprach, und corrigirte die unrichtig befundenen Stellen, er war der gelehrte Nakdan. Nun aber trat auch ein ganz anderes Verfahren für die Bibelhandschriften ein. Schon früher gab es zwar neben den für den öffentlichen Synagogenbrauch bestimmten pentateuchischen Rotten auch solche Abschriften, die dem Privatgebrauche gewidmet waren und bei denen nicht alle die strengen Vorschriften jener zu beobachten waren; Vierteljahresschrist. III. J. 2. 7