Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 96

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 96 (sequence 99)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2420973-2420988-2420989--0747-2421825
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

H. Zur Geschichte der Maßorah. so war auf der einen Seite was früher schwierige Wissenschaft war, nun in seiner sichtbaren Feststellung allgemein zugänglich geworden, allein andererseits trat die Erklärung, die sich mit der Mittheilnng der richtigen Lesung verband, zurück, und so manche nähere Erörrerung, die sicherlich an die Lesebcstimmung sich angeschloffen hatte, schwand allmälig. Denn die Feststellung der lautlichen Aussprache war, wie in neuerer Zeit mehrfach nachgewiesen worden, auch von manchen Rücksichten der Dogmatik und Dcceuz abhängig; man lehrte eine Aussprache, .von der man zwar wußte und die Ueberlieferung bewahrte, daß sie eigentlich dem Texte nicht angehöre, die man aber doch als die recipirte festhielt, um Mißdeutung und Anstoß zu befettigen. Solange man auf dem Wege mündlicher Belehrung Vocalisation und Accentuation mittheilte, bewahrte und tradirte man innerhalb der Schule gewiß auch bei den Stellen, welche eine tendentiöse Abweichung verlangten, neben der für die Gesammtheit festgestellten Aussprache und Satzverbindung doch noch die ursprüugliche, und so pflanzte auch sie sich mündlich fort. Nunmehr aber, da Vocalisation und Accentnation der einzelnen Stelle mit festen Zeichen ausgenommen ward, schwand die Erinnerung an derartige Aenderungen, so daß manche Stelle uns blos nach einseitiger Auffassung und Absicht späterer Schulen zugekommen ist. Daß Vocalisation und Accentuation das Werk. langwieriger Arbeit war, daß sie mehrere Stufen durchznmachen hatte, darüber belehren uns Entdeckungen über innere lange ganz vergessene Vorgänge, welche wir der neuesten Zeit verdanken. Das Bekauntwerden jenrr alten Handschriften aus der Krimm, die dem zehnten Jahrhunderte angehören, hat uns belehrt, daß vor der unter uns üblichen Vocalisation und Accentuation bereits eine andere existirte, die nicht blos gänzlich Ln der Form, sondern auch theilweise in den Grundsätzen abweicht. Man hat nun einzelne bis dahin übersehene leise Andeutungen in alten Schriften herbeigebracht und daraus erkannt^ baß die übliche Punctatiou die palästinische, tiberiensische, jene alte neu entdeckte die babylonische, assyrische, genannt wird. Diese Be- Zeichnung wird durch historische Thatsachen vollkommen bestätigt. Es stellt sich heraus, daß jenes neu entdeckte, später verdrängte Vocalisations- und Accentuationssystem das Werk babylonischer Schulen war, wie es die volle Uebereinstimmung zeigt mit den alten babykonischen Autoritäten, namentlich der babyl. Gemara und den rccipirten Thargumim, was besonders bei dem s. g. Jonathan zu den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.