Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 95 (sequence 98)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2420973-2420988-2420989--0746-2421824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

II. Zur Geschichte der Maßorah. 95 Nun aber trat eben die Zeit ein, in welcher die Semiten, wohl angeregt durch das Studium der griechischen Literatur, ihre Buchstabentexte zu ergänzen unternahmen durch Vocalisation und Jnterpunction, und wie Syrer und Araber mit dem Beispiele vorangingcn, so folgten auch die Juden. Sie unterschieden sich nur in zwiefacher Beziehung. Erstens gingen sie mit weit größerer Ln's Einzelne gehender Genauigkeit zu Werke. Araber und Syrer beschränkten den Ausdruck der Laute auf die Grundvocale; die Juden abersuchten auch die einzelnen Nüancirungen derselben durch Zeichen festzustellen. Ebenso hatten Araber und Syrer blos für größere Satztheilungen gewisse Lnterpungirende Bezeichnungen, hingegen setzten die. Juden, welche auf Zusammengehörigkeit und Trennung der einzelnen Wörter und auf den Grad der Verbindung und Abtrennung schon früher sorgfältig geachtet hatten (פיסוק טעמים), für jedes einzelne Wort im Satze sein besonderes Zeichen, das sein Verhältniß im Satze angab, so daß das System der Jnterpunction ein ziemlich complicirtes wurde. Die Vocale erscheinen von nun an unter dem Namen: נקודות, Punkte, die Interpunktionszeichen unter dem von טעמים, die sinnangebenden Zeichen, oder da diese Satzverbindung durch entsprechende Declamation, die bei den Semiten eine völlige Sangesweise, Modulation ist, ausgedrückt wurde, auch mit dem Namen: ננינות, Gesangeszeichen. Während nun so nach diesen zwei Richtungen hin die sorgsamste Ausarbeitung Statt fand, so hielt man es doch andererseits nicht für gestattet, sie in die Synagogenrotten, aus denen öffentlich verlesen wurde, einzuführen, gerade so wie man den früheren Ansatz, Schluß und Anfang der Verse zu bezeichnen, aus diesen Rollen fern hielt. Diese bedeutsame Umgestaltung, welche sich hier am Aeußern des Bibeltextes vollzog, war sicherlich die Arbeit langer Jahre, und mögen gar mannigfache Erweiterungen und Verbesserungen erst allmälig mit ihr vorgcnommen worden sein; allein sie verbirgt sich, wie so manches tiefeingreifende Werk der Geschichte, Ln Dunkel, es vollzog sich geräuschlos und steht mit einem Male in seiner ganzen Vollendung da. Was nun früher die Belehrung durch Ueberlieferung war (מסודת), nämlich die Lehre über das richtige Lesen der Worte (מקרא סופדים), war nun durch Zeichen fixirt, und Correctors in der Accentlehre der poetischen Bücher, in welchen bekanntlich nicht das Athnach, sondern das'Oleh we-jored die Pause in Mitten des Verses bildet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.