Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Zur Geschichte der Maßorah: 79 grammatischem Charakter, und besonders jene werthvollen Verzeichnisse von unregelmäßigen oder sonst in irgend einer Weise merkwürdigen Wörtern." Diese Worte Max Müller's'״') würde man als über die Maßorah ausgesprochen betrachten, wenn wir nicht von Brahmanen und dem Veda-Dialekte horten. Setzen wir an deren Stelle die jüdischen Gelehrten vom zweiten bis in das neunte Jahrhundert und die hebräisch-biblischen Schriften, so gilt Alles Wort für Wort von der Maßorah. Mit dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert beginnt jene Sorgfalt für die richtige Herstellung und Bewahrung des Bibeltextes, welche allmälig zur Gesammtheit der maßorcthischen Bemerkungen heranwuchs. Zu jener Zeit erhob sich eine heilsame Reaction gegen die willkürliche Behandlung, welche man sich nach der eigenen religiösen Ueberzeugung oder aus manuichfachen Rücksichten, um den Leser nicht Mißverständnissen auszusetzen, mit dem Texte gestattet hatte. Man verwarf nun und berichtigte die alten freien Uebersetzungen, klammerte sich fest an den Buchstaben; wohl konnte man nicht ganz und immer sich lossagen von dem alten Verfahren und erlaubte sich noch immer durch kleine Aenderungen, die aber mehr die Aussprache und die Satzverbindung betrafen, den Sinn plausibler zu machen, im Allgemeinen aber ging man recht entschieden darauf aus, den Text in seiner Ursprünglichkeit festzuhalten und ihn vor aller subjectiven Gestaltung zu bewahren. Und selbst der beliebigen Ausspräche des unpunctirten Consonantentextes gegenüber, welche die Handhabe bot zu den verschiedensten willkürlichen Deutungen, steuerte man durch Festhaltung an der überlieferten Aussprache desselben. Dies ist zunächst die Maßoreth, מסלרת, die Ueberlieferung. In dieser Anwendung finden wir das Wort zuerst von Akiba gebraucht, wenn er Aboth 3, 13 sagt: ״ ,מסורת סיג לתורהdie Maßoreth (die überlieferte Aussprache) ist ein Zaun für die Thorah", so daß Ln deren Gebiet nicht ein verwüstender Einbruch geschehen könne, indem sie die feste Norm für die Erklärung bietet. In demselben Sinne gebrauchen das Wort auch einige Baraitha's, wenn sie mit dem Ausspruche ״ יש אם (אום) למסורתdie überlieferte Aussprache hat ihre feste Wurzel", unberechtigte Deutungen abweiesn und so sich dahin entscheiden, daß 3 Mos. 12, 5 gelesen werden müsse ש^ים, die Frau •) Vorlesungen über d. Wissenschaft d. Sprache, deutsch v. Böttger.