Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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77 1. 12. In der Zerstreuung. Blätter der Menschheit. Aber sie bereitet sich vor für die neue Zeit, es soll eine gesunde Wissenschaft, eine klare Erkenntniß Alles erforschen und beleuchten. Vor der gesunden Wissenschaft wird diejenige, die an sich selbst verzweifelnd und des eigenen schwächlichen Geistes inne, auch den Geist leugnet, triumphirend den Knochengerüst-Apparat aufzeigt und damit den Menschen erklärt zu haben vermeint, auch beschämt weichen; vor der gesunden Wissenschaft, die den Geist ehrt und den Allgeist ahnt. Sie wird die Welt frisch beleben und sie wird Hand in Hand gehen mit dem Judenthume, das von solchen Gedanken stets durchweht und erfrischt war. Wie sind wir nun gerüstet für jene neue Zeit? Der Verbildeten und der Lüsternen giebt es viele, die alle alten Schätze gern hinwegwerfen, das Knie vor der Macht beugen und sich selbst und ihre Vergangenheit als ein ganz Werthloses von sich abthun möchten, sie sind gebrechliche irdene Gefäße, nicht als Werkzeuge brauchbar zur Herbeiführung einer geistig gesunden Zeit. Auch die Eiferer sind unter uns, die, blos zurückblickend auf die alte Zeit, die Hütte gar sehr lieben, die im Mittelalter getragen wurde, und das stachelige Panzerhemd nicht ablegen wollen, die den Dolch der Verdächtigung und das Gift der Verläumdung anwenden möchten gegen jedes neue Streben. Auch sie sind nicht die Werkzeuge, die brauchbar sind für die Herbeiführung einer neuen Zeit. Die Pharisäer in ihrer stritten Observanz leben gleichfalls dahin, sich einhüllend und mit inniger Pietät Alles umfassend, was von früher hergebracht ist, vom alten Geist wohl durchweht, aber ohne neue frische und erfrischende Kraft. Wo ist aber der neue Hillel mit dem milden klaren Blicke, mit liebender Begeisterung, mit gesunder geistiger Kraft, daß er die neue Zeit mit fördere? Wenn er wieder erscheinen wird, — und er wird uns sicherlich nicht fehlen, — da wird er wohl wiederum sein altes Wort, vielleicht in anderer Form, aussprechen: Wenn ich nicht für mich, wer dann für mich? Du lieber Wanderer, schau nicht immer zurück, — wird er sagen, — nicht immer den Blick nach der Vergangenheit gekehrt! Jerusalem ist ein Grab, das wir ehren, aber aus dem Grabe ersteht nicht das neue Leben, aus der frischen Gegenwart mußt Du schöpfen und sie verwerthen. Wenn ich nicht für mich wirke und arbeite aus dem ureignen Geiste, wie er vermählt ist mit dem Geiste der Offenbarungslehre, wenn wir aus ihm nicht Hervorarbeiten, wer soll es dann thun? Und wenn ich für mich allein, was bin ich dann? Wenn ich der Menschheit nicht angehöre.