Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 12, In der Zerstreuung. 78 haben sie aüfbewahrt, als ihren Schatz durch die Welt getragen, mit feinem Verstä'ndniß sich angeeignet und ihre Hülfsmittel der ganzen Welt übergeben. Die stolze Wissenschaft, die heute selbständig dazustehen und die Bibel in ihrer Weise zu erklären glaubt, sie geht mit den Hülfsmitteln zu Werke, die ihr von den Juden überliefert worden sind, sie geht an den Krücken der Rabbinen einher. Wie diese sie punctirt und accentuirt, hie und da auch umgestaltet haben, so haben sie sie übernommen und arbeiten weiter an ihr fort. Es war die Zeit eingetreten einer neu erwachenden Bildung, und an dem Stabe des Judenthums suchte man sich emporzuranken. Reuchlin, der Lehrer Deutschlands, erfaßte gewissermaßen die beiden Säulen des geistigen Tempels und lehnte sich an sie: das Griechenthum und das Judenthum; er schöpfte aus beiden Quellen. Die heilige Unwissenheit legte ihm deshalb Fallstricke, sie wollte seine Werke der Acht überliefert wissen, ihre Schergen jammerten gar sehr, daß er nicht ihrer Gewalt übergeben wurde. Er aber achtele die überlieferten Schätze des Judenthums, manchen falschen Schatz vielleicht gar mehr, als er es verdiente. Die Werke der Kritik/ wie sie von den Juden damals geübt wurde, was ein Elias Levita gearbeitet, ein Asariah de Rossi geleistet, wir können es hier nicht im Einzelnen verfolgen. Die Zeit schritt immer weiter, die Juden mit ihr. Dort in jenem Lande, wo ihnen so lange Zeit ein schönes Leben geblüht hatte, das sie mit heiliger Glut umfaßt hatten, war der blinde Eifer mächtiger als die Wissenschaft. Diese hatte das Land befruchtet, so lange die Araber dort gelebt hatten; als sie zurückgedrängt wurden, flüchtete auch sie vor der züngelnden Glaubenswuth. Die Flamme des Fanatismus ward an der Unwissenheit mehr und mehr genährt, sie zehrte die besten Kräfte des Landes auf, und auch die Juden mußten weichen; sie zu bedrücken genügte nicht, ihr Hauch selbst wäre ja entweihend gewesen. Sie mußten ans dem Lande ziehen, das sie ein Jahrtausend hindurch in Ehren bewohnt, an dessen Heil und Wohlfahrt sie aufs glänzendste mitgewirkt hatten. Sie mußten hinwegziehen; was sie von alter geistiger Bildung gerettet, trugen sie mit sich nach der Türkei, wo sie jedoch den unfruchtbaren Stanun der Osmanen nicht zu höherer Bildung erziehen konnten. Aber auch nach einem neuen Lande, das von Spanien abhängig gewesen und von seiner Herrschaft sich befreit hatte, nach Holland, trugen sie mit der Liebe zu dem alten spanischen Vaterlande auch die Ueberreste der Bildung aus alter Zeit. Holland gab das erste