Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 74

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 74 (sequence 77)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2420973-2420988-2420989--0725-2421803
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

74 1. 12 In der Zerstreuung. Moses ben Maimon,-eine Säule des Glaubens, ein Mann, schöpferisch in allen Gebieten des jüdischen Wissens, war zugleich ein Denker, der nicht blos in das Judenthum seine Saaten dauernd einstreute, er war auch ein Lehrer Europas geworden. Albert der Große schreibt das Beste von ihm aus, und Thomas von Aquin entlehnt ihm Vieles. Wer zählt alle die großen Geister, die alle innerhalb des arabischen Gebietes lebten, dort ihre geistige Wirksamkeit entfalteten und ihre dichterische Begabung ausströmen ließen? Welch eine herrliche Zeit! wie legt sie Zeugniß ab von der Kraft im Judenthume, die sich nicht brechen läßt, die, wenn ihr nur Raum gegönnt wird, reich und üppig sich entfaltet! Als in Italien die Blüthe der Dichtkunst wieder erwacht, mehr der Schönheitssinn als der kräftige Geist der Wissenschaft, steht bald neben Dante ein jüdischer Dichter, Immanuel, ein Freund Dantc's, eng mit ihm verbunden, voll frischen Humors, wie denn überhaupt bei allem Drucke der Geist des Juden nicht stumpf und lebensmüde wird. Die Mathematik hat Vertreter in reicher Anzahl im Schooße des Judenthums. Wieder ein Name, der seltsam klingt, Savasorda! Es ist Abraham ben Ehija, ein Spanier, der in der Provence lebte. Er trug den Beinamen: Zahib Mschorta, d. h. Polizeimeister, wie wir heute von ihm als großem Gutsbesitzer sagen würden: Oberamtmann, oder Nasi, Fürst, wie er mit hebräischem Titel hieß. Als Savasorda geht er durch die Werke des Mittelalters hindurch; man würde ihn vielleicht nicht so viel genannt haben, wenn man ihn als Juden gekannt hätte. Die Zeiten werden lichter, und überall sehen wir Juden mit lebendigcm Geiste Antheil nehmen an Allem, was die Geister erfrischt. Die Bibel wurde gewissermaßen für die Christen neu entdeckt. Wer hat sie bewahrt die hebräische Bibel? . Wer hat sie 15 Jahrhunderte aufgehoben, damit sie später wiedererscheinen könne in ihrer ursprünglichen Gestalt? Die Heiligsprechung der Unwissenheit hätte sie längst verdammt, wir würden, wenn sie nur unter ihrem Schutze gewesen wäre, sie eingebüßt haben oder vielleicht unter einem alten Palimpseste, unter einem Mönchbrevier, ein Stückchen hebräische Bibel auffinden, wir würden mit geschlossenem Blicke rathend dastchen, Vermuthungen anstellen über Bedeutung der Worte und den Inhalt des Buches, sie würde uns wie eine assyrische Keilschrift Vorkommen. Durch die Sorgfalt der Juden ist das eine Auge der geistigen Welt nicht erblindet, das Auge des Hebräerthums, die Offenbarungslehre; sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.