Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 12, In der Zerstreuung. 73 wurde durch die Ueberreste des Griechenthums, durch die syrischen Heiden. Diese hatten die Schriften der alten Griechen, der Philosophen sowohl als der Männer anderer Wissenschaft, in ihr Idiom übersetzt, und bald bemächtigten sich die Araber der ihnen zugänglichen Ueberreste des Alterthums, sie saßen zu den Füßen der alten griechischen Lehrer, fleißige Schüler ihrer Lehre nach der Gestalt, in der sie ihnen überkommen war, und sittigten sich, gingen ein in die Schulen der Wissenschaft, und eine neue Cultur erblühte, wie sie kaum zu einer anderen Zeit im Mittelalter sich erzeugte. Die Inden nehmen bald Antheil, sie leben mit darin, sie sind gleichfalls Philosophen und Uebersetzer und fühlen sich verwandt dem Streben, das in dem jugendlichen Volke erwacht ist. Ja sie sind gleichfalls die Vermittler dieses neuen geistigen Aufschwungs und sind es noch in höherem Sinne. Sie verbleiben nicht unter den Arabern, sie beschränken sich nicht, wie die Araber selbst, auf den eigenen Kreis und den eigenen Boden; überall hin tragen sie diese Werke und streuen die Saat der Cultur weithin. Aus dem Arabischen werden sie ins Hebräische übersetzt und aus diesem in die verschiedensten Sprachen Europa's, so daß dadurch erst die Werke des Alterthums bekannt wurden dem mittelalterlichen Europa und doch irgendwie eine geistige Aussaat in diese dürre Zeit hineinbrachten. Man spöttelt gar oft über die Juden als über die Vermittler von Geschäften, als über die, die die alten abgelegten Kleider zum Verkaufe ins Haus brachten. Ja, sie haben die abgelegten Kleider der alten Bildung den Völkern Europa's ins Haus gebracht, und wenn diese sich nicht mit jenen Ucberresten bekleidet hätten, so wären sie ganz nackt gewesen. Aber sie waren nicht blos Vermittler, sie wirkten auch schöpferisch mit ein. Was man im Mittelalter von Botanik und namentlich von officinctter wußte, das verdankt man der Uebersetzung des Dioskorides, die mit Hilfe eines Juden, eines Leibarztes und Vezirs, Chasdai ben Isaak Schaprut, und durch dessen Vermittelung veranstaltet wurde. Die bedeutenderen Philosophen aus der arabischen Zeit sind selbst Juden gewesen, wenigstens einem großen Theile nach. Da klingt der Name Avicebrons durch viele Schriften 0es Mittelalters, als eines der originellsten Geister. Wer war er? Man wußte es nicht. Es war ein Jude, Salomo ben Gabirol. Sein Name wurde verstümmelt: Abencebrol, Avicebron. Er war ein origineller Denker und zugleich ein bedeutender Dichter, ein Geist, bei dessen schöpferischer Kraft ich gerne länger verweilen möchte. Maimonides,