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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 71

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 71 (sequence 74)
Language
German
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1. 12. In der Zerstreuung. 71 Sitten in sich aufnahmen und sie auch weiter verbreiteten, selbst wenn sie wieder hinweggefegt wurden durch die blinde Wuth der anderen Bewohner: das finden wir in noch vielen anderen Beispielen, wenn sie auch nicht so glänzend sind. Die deutsche Sprache erklingt uns von den Lippen der Juden in den entferntesten Ländern, sie haben sie Jahrhunderte lang bei sich aufbewahrt und haben sich dadurch gleichsam einen Anknüpfungspunkt erhalten, um in neuerer Zeit mit der deutschen Bildung in nähere Verbindung treten zu können; sie lieben diese alten Klänge, sie erinnern sich an eine Heimath, die zwar mit ihrem Blute getränkt wurde, die eine feste und friedliche ihnen nicht geworden, in der sie aber eine längere Zeit nicht blos geathmet, sondern auch den Hauch des Geistes in sich ausgenommen haben. Ja, der Wanderer fühlte es, daß seine Bestimmung es war, nicht blos die Menschheit eilenden Fußes zu durchziehen, sondern daß er sich auch eine dauernde Stätte gründe, um mit der Menschheit und in derselben zu leben und auch für sie zu wirken. Er hatte sich wohl verwahrt gegen die Berührung mit der Außen- Welt, er schritt keuchend einher, blos, wie es schien, von Sorgen des Tages erfüllt, sein Antlitz durchfurcht und der Blick trübe und sorgenvoll. Aber tretet nur ein Ln seine schwankende Hütte, da findet Ihr: das stachlige Panzerhemd ist abgelegt, die Binden, die ihn umhüllten, er hat sie von -sich genommen, und ein reiches Gemüthsleben quillt aus seinem Herzen. Er ist nicht frostig, wenn er auch stark umhüllt ist mit Binden und Hüllen, er ist nicht stachlig, wenn auch sein Aeußeres also erscheint, er trägt ein warmes Herz im Busen, wenn er auch gegen den eisigen Hauch der Außenwelt sich verwahren muß. Wo er innere Wärme findet, da ist er auch warm und mild, und in der Familie, Ln der Treue, die die einzelnen Glieder derselben umschlang, war Israels Trost und Kraft. Er war abgeschlossen von der Außenwelt und er verwahrte sich dagegen, daß etwas von ihr auf ihn cindringen könne, so lange er feindliche Berührung zu fürchten hat; wo aber ein frisches, geistiges Leben erwachte, wo ein Frühlingshauch, wenn auch oft nur scheinbar, die Welt durchwehte, neue Bildung erstand, befruchtend die Ströme des Geistes durch das Land zogen, da wußte auch er gierig zu schöpfen, da war er auch innig verbunden mit dem Geiste der Zeit. Ueberhaupt der Geist, so sehr er auch niedergedrückt einherging, war in ihm nicht gebeugt. Während in finsterer Zeit Bischöfe und Ritter der heiligen Unwissenheit ganz hingegeben waren und die

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