Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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70 h 12. In der Zerstreuung. sie sich denn auch ein Ln die Anschauungen und die Sprache. Noch heutigen Tages haben wir Ln den Gebeten aramäische Bestandtheile, sie gelten gleichfalls als heilig, ob es gleich nicht Klänge von Zion find. Die Bibelübersetzung Ln aramäischer Sprache wird als bevorzugt anerkannt, zum Theil wohl wegen des treuen und genauen Anschluffes an die gültigen Anschauungen, hauptsächlich aber, weil sie aus einem Lande gekommen, das eine zweite Heimath den Juden geworden war. Die Sprache Babylons, das Aramäische, erhielt sich selbst noch spät, als schon die arabische Literatur das Judenthum neu tränkte, als schon die Araber die Ueberreste und Spuren älterer Cultur durch die ihrige ersetzt hatten. Als dieses junge Volk mit seiner jungen Literatur in die Weltgeschichte eintrat, die eine Zeit lang höchst fruchtbar einwirkte sowohl auf die Gestaltung der Menschheit im Allgemeinen, als auch auf die höhere Entwickelung derselben insbesondere, als das Araberthum, rasch erwachsen, einen großen Theil der Menschheit beherrschte, da waren alsbald die zahlreichen Juden, die innerhalb des arabischen islamischen Gebietes lebten, voll eingelcbt in diese Länder, fühlten sich vollkommen als Glieder dieser Völker. Ganz besonders war es Spanien, das gleichfalls von Moslemeu überschwemmt war, aber bei dieser Ucberschwemmung auch geistig befruchtet worden, namentlich war es Spanien, in dem zahlreiche jüdische Gemeinden sich vollkommen verschlangen mit den Bewohnern des Landes, das geistige Leben in sich ausnehmend, den Boden als heimischen ehrend und veredelnd, mit ihrem Schweiße ihn befruchtend, durch ihre Kraft ihm die verschiedenartigsten Früchte entlockend. Mit Stolz nannten sie sich, gleichfalls sich anlehnend an eine, ebenso wenig wie die früher von Babylon erwähnte berechtigte Erklärung eines Bibclverses: Die vertriebenen Juden, welche in Sefarad wohnen; Sesarad sollte Spanien sein. Mit edlem Stolze blickten sie aus ihr Spanien hin, feierten es in Dichtungen, wußten seine Vorzüge hervorzuheben, hingen an ihm mit aller Glut des Herzens. Der müde Wanderer hatte eine neue schöne Stätte gefunden und blickte nicht mehr zurück, er liebte seine Gegenwart. Und als sie von dort vertrieben waren, waren ihre Erinnerungen doch stets nach Spanien und Portugal gerichtet und sind cs zum Theil noch bis auf den heutigen Tag. — Daß die Juden auch noch in anderen Ländern, wo sie nur immer eine dauernde Stätte gefunden hatten, mit dem Volke sich geistig und gemüthlich amalgamirten, die Sprache desselben liebten, seine