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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 68

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 68 (sequence 71)
Language
German
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IRI
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68 j. 12. In der Zerstreuung. schwache und gebrechliche Völklein zu zersprengen, und der Triumphzug des Siegers mußte durch die Ketten und den Hohn, welcher auf den Besiegten geladen wurde, erhöht, strahlender werden. Die Nomer hegten von da an einen tiefen Groll gegen' die zersprengten Reste der Inden, gegen die zerstreuten Glieder, welche sich allmä'lig in allen Gebieten des Römerthums niederlicßen. Und als nun gar der Glaube an das erfüllte messianische Judenthum den Thron der Cäsaren bestieg, gesellte sich zu dem ererbten Hasse noch neuer, der Kampf ward ein noch mehr erniedrigender, der in den tiefsten Eingeweiden wühlte, der die Seele zu kränken, das Gemüth zu verletzen, als ein verdienstlich Werk betrachtete. So schritt der arme Wanderer durch die Wüste des Mittelalters. Ist es auffallend, daß er das Antlitz nach der Vergangenheit kehrte, die ihm um so glänzender erschien, je entfernter sie ihm wurde, daß er nur von ihrer Wiederherstellung alles Gute und Schöne ersehnte, daß er sich die Zukunft als ein Abbild darstellte dessen, was längst untergegangen und begraben war? Ist es ein Wunder, daß er keuchend und niedergedrückt seine Wanderung vollzog, daß er ein stacheliges Panzerhemd sich anzog, damit der Dolch ihn nicht treffen könne, damit die feindliche Berührung von außen ihm nicht nahe, daß er mit allerhand Hüllen sich umgab, damit der frostige, eisige Hauch, der ihn aus jedem Worte, aus jedem Athemzuge anwehte, nicht seine Glieder durchschüttele? Ist es auffallend, daß er sich manche werthlose Schaumünze nmhängte, auf sie hinsah, um auch sein freudloses Leben, auszuschmücken, um im Hinblicke darauf sich in angenehmen und freundlichen Träumen zu ergehen? Nur schwankende Hütten konnte er sich überall errichten. Er mußte darauf gefaßt sein, daß er die Hütte, die er heute auserbaut, morgen wieder selbst abbrechen müsse, oder daß sie ihm abgebrochen werde. Und dennoch, wo er irgendwie nur größere Sicherheit sah, wo nur in geringem Maße ein wohlwollender Sinn ihn anwehte, wo ihm die neue Stätte vergönnte, daß er geistige Furchen ziehen und seine geistige Saat etwas ruhiger hincinlegen könnte, da ward ihm der neue Ort alsbald ein wahres und. volles Vaterland. Es ist ein rührender Anblick, doch nein! es ist mehr als rührend, die Weltgeschichte ist nicht blos ein Rührstück, nicht blos ein Stoff ׳ für die thränenfeuchte Romantik, um ihren Weltschmerz damit für eine Zeit lang zu nähren und dann sich der Weltlust um so ungestörter und thatenloser hingeben zu können. Es ist mehr als rüh-

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