Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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04 ו. n. Bruch des jüdischen VolksLhmns. es nun nicht in derselben Weise wie ein großer Theil der Menschheit? Warum erkennst Du in ihm blos eine weltnmgestaltende Begebenheit, nicht auch die einzige Wahrheit, die volle und unumwölkte Wahrheit, die in die Welt eingetreten ist? Bei einer Betrachtung über den Entwickelungsgang des Judcnthums an diesem Zeitabschnitt angelangt, konnten auch wir daher der Aufgabe uns nicht entziehen, uns klar zu machen, was diese aus dem Judenthume hervorgegangene neue Richtung, die dann als eine Weltmacht sich constituirte, für uns sei und wie wir sie und ihren Triumphzng uns zu erklären haben. Nicht eine Kritik des Christenthums zu liefern, ist meine Absicht, noch weniger einem Glauben zu nahe treten zu wollen, der so viele Millionen beseligte und beseligt, oder gar fronnne Gemüther zu verletzen. Aber es bleibt doch einmal Pflicht, uns darüber in voller Klarheit auszusprechcn, wie denn diejenigen, die diesen Glauben nicht theilen, ihn in seiner Entstehnng, ihn als weltgeschichtliches Moment betrachten, was uns berechtigt, neben ihm unsere geistige Wohnung aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen. Wer unsere Vertheidigung nicht anhören will, der mag Auge und Ohr verschließen; aber uns darf er sie nicht v.erargen, uns darf er das Recht der freien Meinungsäußerung nicht verkümmern wollen. — Das Judenthum war an einen Abschnitt gelangt, der im höchsten Grade gefahrdrohend war. Wir haben es verlassen zu einer Zeit, da alle zerstörenden Mächte wild an ihm nagten, von außen die Weltmacht Noms sich über es stürzte, von innen die Parteien in ihm wühlten, seine beste Kraft zu untergraben drohten. Und unter solchen Umständen begann es den Kampf und setzte ihn fort, der dann allerdings zu seinen Ungunsten oder vielmehr zu Ungunsten seiner Volksthümlichkeit entschieden wurde. Daß es so kommen mußte, lag in der Natur der Dinge. Das kleine Völkchen mußte Rom unterliegen, konnte sich auf die Dauer seiner Obmacht nicht erwehren. Hatte es ja auch gar nicht den Beruf, ein Volk zu repräsentiren, das Volksleben war eine zeitliche Hülle, ein Mittel, nothwendig, damit der Glaube sich vollständig befestige, sich so tief einlebe, daß er den Gliedern auch in der Zerstreuung volle Kraft verleihe. War die Zeit um, so mochte immerhin das Staatswesen zertrümmert werden. Das dachten freilich die Genossen jenes Zeitabschnittes keineswegs, sie kämpften mit Tapferkeit und. Muth. Ich will Ihnen nicht die verschiedenen Leiden vorführen, denen dieses Häuflein unterworfen war, nicht ausmalen, wie die Leichen sich häuften, wie die Zertrüm-