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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 63

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 63 (sequence 66)
Language
German
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1. 11. Düs Christenthum als kirchliche Weltmacht. 08 Kraft hat, dieselbe zu überwältigen, durch sich selbst zur Veredlung und Erhebung zu gelangen. Und weil der Glaube der Erbsünde und der Zerfressenheit der menschlichen Natur ihm fern blieb, hatte es auch kein Verlangen Danach, durch eine außerhalb vollzogene Erlösung wieder zur Reinheit zu gelangen. Es hat seinen erbarmenden Gott nicht mit dem Gotte derjenigen Liebe vertauscht, die, um ihrem Zorne zu genügen, eines stellvertretenden großen Gesammtopfers bedarf. Das Judenthum hat in der Entwickelung der Menschheit zum höheren Ziele hin keine Verleugnung seiner selbst gefunden, daher auch keinen Kampf dagegen unternommen; es hat den Ausspruch nicht gethan: Die Zeit ist bereits erfüllt und vor achtzehn Jahrhunderten ist-der Schlußstein gelegt worden, Schlußstein der einen, Grundstein der anderen Welt, es giebt keine Wahrheit mehr, die noch hinzuzufügen wäre. Das Christenthum muß nothwendig auf jene Zeit Hinschauen als auf die wichtigste in der Weltgeschichte, sie bleibt ihm Herz- und Mittelpunkt, die Persönlichkeit, die sie herbeigeführt, — das höchste Ideal. Selbst die Freisinnigsten, die den Stifter alles Wunders entkleiden, können dennoch, um noch irgend welchen Zusammenhang sich mit ihrer Religion zu bewahren, dem Zwange nicht entrinnen, ein künstliches Phantasiegebilde sich zu schaffen, dem sie die größte irdische Vollkommenheit beilegen — ein Gebilde, das vor der Kritik weit rascher zusammenstürzt als die alte massive Vorstellung. Das Judenthum hingegen kann Persönlichkeiten entbehren, es kann die Kritik frei walten lassen über alle seine großen Männer; ginge sie selbst so weit, — was sie freilich nur in keckem Uebermuthe thun würde, — Moses ganz aus der Geschichte zu streichen. Wir würden ein solches Beginnen vielleicht beklagen; aber, ist es Moses, ist es sonst einer der Mitwirkenden, auf denen das Judenthum erbaut ist? Die Lehre ist da, in ihr liegt sein Glaube und sie wird bewahrt werden, die Lehre ist da, wie sic in das Judenthum hineingekommen, gleichviel wer sie ihm gegeben, welche geschichtliche Persönlichkeit ihr Vermittler gewesen, gleichviel ob ein vollständig Sündenfreier oder ein Mensch, gleichfalls von menschlichen Schwächen nicht frei. Das Judenthum hat sich deshalb auch später seine Mission bewahrt, seine Geschichte ist nicht abgebrochen mit der Entstehung des Christenthums. Es erkennt in diesem ein großartiges Weltereigniß, welches in seiner ganzen Bedeutung gewürdigt zu werden verdient, und um so mehr muß sich dem Juden die Frage an das Herz legen: Warum würdigst du

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