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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 62

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 62 (sequence 65)
Language
German
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IRI
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62 1 ■11.' Das Christenthum als kirchliche Weltmacht. unter sie beugen und alle Triebe und Anlagen der Menschen muffen meinem Dienste sich fügen. Ja, in diesem Ansprüche, der die Macht des Christenthums ausmacht, liegt zugleich seine Schwäche, darin, daß es nicht innerhalb der Menschheit wirken will als geistige Kraft, sondern über der Menschheit stehen will, die Menschheit selbst in allen ihren sonstigen Verhältnissen negirt. Es wäre thöricht und gotteslästerlich zugleich, wenn wir einer Religion, die achtzehn Jahrhunderte eine solche Macht enrfaltet hat, nicht eine von Gott gewollte Mission zuerkennen wollen; allein es wäre von der anderen Seite ebenso ein Hohn gegen die Geschichte, wenn wir diejenige Religion, die die Mutter und Wurzel der neuen Religion ist und während der ganzen Zeit, daß diese ihre Macht in aller Fülle entfaltet, sich dennoch erhielt in Unterdrückung und Hohn, in Dürftigkeit und Gebrochenheit, selbst dann, als ihr das Auge des Geistes gewaltsam verstnstcrt wurde, einer Religion, die, sage ich, sich dennoch erhielt, ihre Lebenskraft in einer jeden Zeit, wo sie nur irgend wie sich zu regen vermochte, erfrischt darstellte und zu allen Zeiten sich einen Fond von geistiger Begabung, sittlicher Anregung und sittlicher Kraft bewahrte, — ihre geschichtliche Mission absprechen und sie verleugnen wollten. Sie hätte nicht bestehen können neben dem Christenthume diese lange Zeit hindurch, sie hätte hinsiechen müssen, sie müßte schon längst gestorben oder doch dem Tode nahe sein, wenn sie nicht in sich gesunde Lebenskraft trüge. Ja, das Judenthum hat sich neben dem Christenthum!und trotz ihm erhalten. Es wurde nicht blos mit irdischen Waffen, mit Feuer und Schwert, mit Vertreibung und Druck' bekämpft, sondern auch mit geistigen Waffen; alles Gute und Edle, was man dem Judenthume zugestand, bevor es das Cbristenthum aus sich geboren hatte, ward lediglich als Vorbereitung für das Christenthum betrachtet, gewissermaßen als ein christliches Gut noch vor dessen Entstehen. Das Judenthum hat sich dennoch erhalten, hat seine ewigen Güter sich gewahrt und sich nicht trüben lassen. Es hat nicht zugegeben, daß sein Gottesglaube entstellt, mit fremdartigen Elementen versetzt werde. Es hat sich die Theorie der Erbsünde, die man aus seinen Schriften zu deuten bemüht war, nicht einpfropfen lassen, es hat sich den Adelsbrief der Menschheit nicht vernichten lassen, und hat die Ueberzeugung festgehalten, daß dem Menschen von Gott gegeben ist die Kraft der freien Selbstbestimmung und Veredelung, daß er trotz der sinnlichen Begierde, die in der Menschennatur liegt, auch zugleich die

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