Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2420988-2420989--0712-2421790- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
r. 1 ¥. Das Chnstenthum als kirchliche Weltmacht. 61 Christen. Thabet ben Korra, ein harranensischer syrischer Heide, — denn bis in das 10. Jahrhundert hinein hatte sich das philosophische Griechenthum in jenen Gegenden erhalten, bis es endlich der dereinten Wuth des Christenthums und des Muhamedanismus gelang, auch diese kleinen Ueberreste zu vernichten, — Thabet ben Korra sagt in einer seiner Schriften: ״Als Viele dem Jrrthume durch' Gewalt unterthan wurden, da haben unsere Väter durch Gottes Hülfe ausgeharrt und entgingen heldenmüthig, und niemals ist diese gesegnete Stadt (nämlich Harran) von dem Jrrthume Nazareths verunreinigtworden. Wir nun sind die Erben und Vererber des Heidenthnms, das in dieser Welt so strahlte. Glücklich ist der, der Leiden trägt in frischem Vertrauen um des Heidenthums willen. Wer hat denn die Welt in bewohnbaren Zustand gebracht, wer die Städte zum Sitze von Familien gemacht, wer anders als die Edeln und Könige des Heideckthums? Wer hat Häfen angelegt, Ströme schiffbar gemacht, wer verborgene Wissenschaften enthüllt? . . . Nur die Berühmten unter den Heiden haben dies erforscht, haben die Heilung der Seelen erstrahlen lassen, die Mittel zu ihrer Befreiung angezeigt, auch die Heilung der Leiber erkannt und verbreitet, nur sie haben die Welt mit wohlgeordneten Sitten erfüllt, mit Weisheit, die das Haupt ist der Vorzüglichkeit. Ohne diese Früchte des Heidenthums wäre die Welt leer, dürftig, gehüllt in mangelhafte Kahlheit." Das ist ein stolzes Wort, aber es ist ein Wort, das aus dem Bewußtsein des Zweckes hervorgeht, den noch diese späten Reste des philosophischen Heidenthnms mit vollkommener Klarheit bei ihrem Kampfe gegen das Christenthum sesthielten. Und wiederum, als die Völker zur Selbständigkeit gelangten, als aus ihnen selbst eine neue menschliche Bildüng erwuchs, als sie zur freien Anwendung ihrer geistigen Kräfte erwachten, da entstand auch alsbald der Kampf gegen das Christenthmn, sowie der Kampf des Christenthums gegen alle diese Neubildüngen, die es als Ketzerei verdammte und in seiner Konsequenz noch heute verdammt. Denn allerdings, das ist die Macht des Katholicismus, daß er entschieden die Ansprüche des Christenthums in aller Strenge vertritt, daß er als die einzige Macht auf Erden sich darstellt, die eine Berechtigung habe, daß er die ganze Welt als seiner Botmäßigkeit unterworfen betrachtet, daß er Bischöfe anstellt in partibus infidelium, daß er behauptet: Nur ich bin die Menschheit und denjenigen, die meine Vertreter sind, muß daher die ganze Welt unterthan sein, die Gewissen sich ihnen erschließen, die Geister sich