Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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1. r 1. Das Christenthum als kirchliche Weltmacht. 59 schichte im eigentlichen Sinne des Wortes hatten diese Völker noch nicht, eine eigenthümliche Bildung trugen sie nicht Ln sich, aber es waren urkräftige Naturen. Gegen diese nun aufzutreten und ihnen in das Ohr, Ln den Geist, in das Gewissen hineinzudonnern: Eure Macht ist Nichts, euer Trotz ist Frevel, eure natürlichen Begierden sind Sünden, alte eure creatürliche Begabung Ausartung, — diese ehernen Leiber zu schwächen, diese trotzigen Geister zu bändigen, diese rohen Gewissen zu erschüttern, das war allerdings die Ausgabe einer Weltmacht, einer Macht, die von sich ausspricht: Ich gelte allein, all Euer Thun, all Euer Streben, all Euer Pochen auf Eure körperliche Kraft, mit der Ihr wohl gegen eine abgelebte Welt austreten könnt, alles dies ist nichtig, Ihr müßt Euch unter mein Joch beugen. Ein solches Herrscherwort bereitete die Natur dieser Völker vor für eine wahre geistige und sittliche Bildung, die religiösen und sittlichen Elemente, die aus dem Christenthume in diesen Urboden hin-- eingeworfen wurden, fanden in ihm eine fruchtbare Stätte, die empfanglich war, aus sich heraus reise Früchte zu erzeugen. Das ist eine große Mission des Christenthums, daß es so als geistige Macht gegenübertrat einen! reinen Naturerzcugnisse, einer Macht, die lediglich auf die starken Arme, aus die eisernen Leiber pochte. Und das Christenthum vottsührte seine große Mission noch zugleich dadurch, daß es die isolirt in dumpfer Abgeschlossenheit lebenden Völker zu einem großen Ganzen einte, daß es das Band der Menschheit um diese vereinsamten und in sich zurückgezogenen Bestandtheile schlang, ihnen gemeinsame Interessen einflößte, sie in ein großes Menschheitliches Gesammtstreben verwob. Das ist die Macht des Christenthums. Was aber seine Macht war und ist, das ist zugleich auch seine Schwäche. Es trat auf mit dem Ansprüche: Ich bin die neue Welt, alles Frühere ist nichts, und so zertrümmerte und zerstörte es Alles, was die frühere Zeit an Menschenwürdigem, an Schönem und Edlem hervorgebracht hatte; es ist sein Verdienst wahrlich nicht, wenn Etwas aus früherer Zeit sich gerettet hat. Denn nicht blos gegen das Götzendienerische und Heidnische als solches trat es mit aller Zerstörnngswuth auf, sondern gegen alle geistigen Schätze, die das Alterthum barg. Alles war ihm Werk des Teufels, Alles mußte zerstört werden. Der Genius der Menschheit hat freundlicher gewaltet, sie davor behütet, daß Alles verloren gegangen, er hat ihr bald Ln Trümmern, bald in vollen schönen Gebilden Werke der Kunst und der Wissenschaft aus der alten Zeit gerettet, auf daß eine spätere an