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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 57

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 57 (sequence 60)
Language
German
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1. 11. Das Christenthum als kirchliche Weltmacht. 57 viel, das kühne Verlangen beugt Ln der That gar Viele unter ihn; der Glaube an sich selbst schafft auch den Glauben Anderer an ihn.. Führen Sie die weltgeschichtlichen Größen sich vor und Sie werden es vielfach bewährt finden: Sie wurden groß, weil sie mit dem Anspruche austraten, groß zu sein. Wenn Cäsar es aussprach: Dieses Schiff trägt Cäsar und sein Geschick, so lag in dieser vollen Ueberzeugung, daß an seinem Geschick das der ganzen Welt hange, eine imponirende Macht. Als die französische Revolution mit der entschiedeneu llebrrzeugung Lu die Weltgeschichte eintrat: Die alte Zeit ist untergegangen, Alles, was bis jetzt sich gestaltet hat, ist Mißbrauch und Vorurtheil, eine vollständig neue Zeit muß eintreten; als sie sich als neue Aera verkündete, mit der eine neue Zeitrechnung beginnen sollte, so lagen ihre Erfolge nicht etwa in den neuen Ideen, die sie schuf, nicht in den positiven Wahrheiten, die sie gab, sondern eben Ln ihrer Entschiedenheit, in dem Glauben an sich selbst. Das war ihre siegreiche Macht, die ihr den Drang verlieh, sich über die Welt hin zu verbreiten. War sie wirklich eine neue Welt, so mußte die ganze Erde ihr unterthan sein, so durfte nicht die Schranke irgend einer Volksthümlichkeit ihr gezogen werden. Dasselbe war auch die Kraft des auftretenden Christenthums. Das Christenthum sprach es aus: Ich bin die neue Menschheit, die neue Welt ist angebrochen, die alte ist gestorben, zertrümmert. Das ist ein epochemachendes Wort, und wenn dem Stifter des Christenthums der Ausspruch in den Mund gelegt wird: Ich bin die Wahrheit, der Weg, das Leben, so mag das allerdings apokryph sein, aber der Gedanke des Christenthums, die Ansprüche, mit denen es auftrat, haben darin ihren vollen Ausdruck gefunden. Ich bin eine neue Macht, eine neue Welt, mir muß sich Alles beugen, vor mir gab es Nichts, vor mir, ist seine Verkündigung, gab es lediglich Sünde, Verfall, innere Verkehrtheit; alle Weisheit der früheren Zeit ist blos klingende Thorheit, alle'Tugend derselben blos glänzendes Laster. Selbst indem cs auf dem Boden des Judenthums sich aufbaute, die alte heilige Schrift desselben anerkannte, ihren Inhalt in sich ausnahm, sprach es dennoch es aus — und wenn dies auch nicht in seinen ersten Schriften enthalten ist, so ist es eine volle Consequenz seiner Ueberzeugung, liegt auch in der Paulinischen Lehre, — daß der Stifter des Christenthums in die Hölle habe fahren müssen, um alle die verdammten Seelen aus der Vorzeit zu erretten. Alle die Frommen, Propheten, Verkündiger der Wahrheit und der Gottes-

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