Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 55

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 55 (sequence 58)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2420973-2420988-2420989--0706-2421784
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1. 10. Ausbreitung des Christenchums. 55 So wurde denn Non! angefüllt von einer Masse der verschiedensten und fremdartigsten Götterverehrungen; die orientalischen Gottheiten, welche durch ihre Neuheit, durch das Mysteriöse jedenfalls der Phantasie eine Nahrung boten, fanden gar vielfach den Vorzug. Auch das Judenthum verbreitete sich mannigfach in Nom, doch war es eine zu ernste und strenge Religion, als daß die entartete römische Welt sich unter sie hätte beugen sollen. Da trat ein neuer Glaube ihnen entgegen, der mit dem Heidenthmne seine enge Berührung hatte und doch ein ganz fremdartiger war. Ein Mensch, der zugleich Gott war, war der Mittelpunkt, aber die Art und Weise, wie derselbe austrat, die Lehre, die mit dem Glauben all diesen verknüpft war, hatte dieser neuen Religion einen Charakter allfgeprägt, der ihnen bis jetzt noch gar nicht erschienen war. Er mußte einen tiefen Eindruck machen, ätzend einwirken, die entnervten Seelen wiederutn anspannen. So hielt denn der Glaube des Christenthums auf seiner dritten Stufe, wo er der ganzen Menschheit zugänglich war, feinen Einzug in das Hcidenthum! Freilich nicht als Triumphator,!licht als eine Gewalt, die blitzartig einschlägt, die Geister erleuchtet und überwältigt, sondern sehr allmätig, lange bekämpft und erst nach Jahrhunderten durch ein Ereigniß, das noch nicht genügend aufgeklärt ist, auf den Thron erhoben und so zu einer herrschenden Religion geworden. Nach langen Kämpfen drang es in die heidnische Welt ein, es war nun das vom Judenthum völlig losgelöste Christenthum. Es geht seinen eigenen Gang, und es ist nicht unsere Aufgäbe, seine Geschichte weiter zu verfolgen. Doch die Frage bleibt uns zu beantworten: Ist denn neben dem Christenthume, das nun Weltreligion geworden ist, dem Judenthume noch eine Aufgabe geblieben, oder siecht dieses blos dahin, ist cs nichts als eine alte Trümmer? sollte es sich deshalb nicht lieber aufgebeu? Die Beantwortung dieser Frage, die sich uns gewaltsam aufdrängt, erheischt noch, bevor wir die Geschichte des Judenthums in seinem ferneren Verlaufe verfolgen, eine weitere kurze Betrachtung des Christenthums. 11. Das Christenthum als kirchliche Weltmacht. Der Bruch deS jüdischen Bolksthums. In dem begeisterten Ausrufe, welchen die Propheten des Judenthums mit der entschiedensten Zuversicht in die Welt sendeten, daß einst nämlich eine Zeit kommen werde, in welcher Gott allein an er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.