Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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r. 10. Dritte Phase des Christeuthums. Die Heidenwelt. 52 Es entstanden heftige Kampfe und vielfache Trennungen innerhalb der einzelnen Gemeinden, man stiftete Frieden und machte einander Concessionen; erst nach langer Zeit, nachdem die Wage vielfach geschwankt, siegte das Heidenchristenthnm, wie es eben siegen mußte. Innerhalb des Judenthums war der Widerspruch ein zu kläffender, auf der einen Seite ein voller Jude, auf der andern für die Gegenwart Messias- und Logos-Ideen in sich ausnehmend, auf der einen Seite der Verehrer des einzigen Gottes, auf der andern ein neues Gotteselement einsügend. Der Widerspruch war zu uagend, als daß er sich hätte erhalten können. Das Judenchristenthum unterlag dem Heidenchristenthum. Das war die dritte Stufe. Die heidnische Menschheit war freilich ehedem unrein, unheilig; nun, der heilige Geist — an sich ein echt jüdischer Begriff —- zieht jetzt ein in die neue Welt, er weiht und reinigt sie. Die dritte Stufe war erstiegen und in ihr trat Ln den Vordergrund: der Glaube an den heiligen Geist, der sich über die Menschheit ausgießt, auch als schöpferische Persönlichkeit. So lag in den drei Entwickelungsstufen, die von einander nicht getrennt werden konnten, vielmehr eine Ganzheit ausmachen mußten, der Glaube ausgesprochen an die Dreieinigkeit. Gott und sein Reich war die erste Stufe, Gott der Sohn die zweite, der heilige Geist, der die ganze Menschheit weiht, die dritte; die Verbindung derselben zu einer Einheit bildet von nun an den Kern des Glanbens. So war das Christenthum in sich ausgebildet, es war nun dazu bestimmt, Ln die Heiden einzugeheu. Konnte cs aber auch in die Heiden eingehen, waren diese anch vorbereitet, geneigt, es aufzunehmen? Werfen wir nun einen Blick auf die Heidenwelt! Wir stehen nicht mehr auf dem Boden des alten Griechenthums. Die gebildete Welt der damaligen Zeit ist nicht etwa von der Philosophie durchleuchtet, entwickelt nicht mit ursprünglicher schöpferischer Kraft ihre Gedanken, wie zur Zeit der alten Griechen; wir stehen in einer ganz anderen Zeit. Das Römerthum beherrscht die Welt, von Rom geht Alles aus, seine Faust lastet auf allen Völkern. Rom hat eine große Mission in der Weltgeschichte zu erfüllen und rs erfüllt sie, wie etwa der Absolutismus in der Staatsentwickelung. Der Absolutismus, diese Herrschaft der Gewalt des Einzelnen ohne Berechtigung aller Uebrigen, der am bezeichnendsten Lu dem bekannten Worte Ludwigs XIV. ausgedrückt ist: L’6tat c’est moi, der Staat bin ich, diese Staatseinrichtung hat in sich eigentlich keinen Gedanken, sie enthält keine innere Berechtigung, den Einzelnen