Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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51 l. 10. Dritte Phase des Christenthnms. dienstlos, sie ist ein Werk mangelhaften Glaubens; der wahrhaft Gläubige darf das Gesetz gar nicht üben. Wie? die Hebung des Gesetzes gar Sünde? ist es nicht von Gott gegeben? war es nicht früher verbindlich, und soll nun mit einem Male in sein Gegentheil umschlagen? Ja wohl, antwortete Paulus, das Gesetz ist von Gott gegeben, aber für die sündige Menschheit unter den Inden, es ist gewissermaßen mit ein Werk der Sünde; es ist ein ״Joch", aber kein süßes, vielmehr ein hartes und schweres. Der Glaube, der neue, ist ein süßes Joch, ein Segen für die ganze Menschheit, das alte Gesetz war ein Fluch, eine Zuchtruthe für das jüdische Volk; der Bann ist gelöst durch den Opfertod Jesu, die ganze Menschheit, sowohl die sündigen Juden als die Heiden, sind nun geheiligt durch den heiligen Geist, der sich über die ganze Menschheit ergossen. Und ihr wolltet noch weiter unter dem Fluche, der Zuchtruthe stehen, während der Segen, die sanfte Leitung euch winkt? Brechet das Gesetz! Wollt ihr die Heiligen sein, so müßt ihr das gekommene Heil auch vollkommen anerkennen. Weg mit der Beschneidung, weg mit den verbotenen Speisen! Jene ist das Zeichen eines alten Bundes, ein neuer ist geschlungen; diese sind die Betrachtung der heidnischen Mahle als Göttermahlzeiten, sie sind nun neue Opfer- und Liebcsmahle geworden. In dieser Gedankenreihe lag einerseits entschiedene Konsequenz, aber andererseits auch eine schroffe Härte gegen das Judenthnm, indem nicht blos dessen einzelne Aeußerungen bei Beibehaltung seiner Grundgedanken als werthlos bezeichnet wurden, sondern ihm vielmehr gewaltsam sein ganzer tieferer Gehalt entzogen wurde. Eine Vereinigung dieser Ansichten mit dem Judenthume, das doch als göttliche Institution, wenn auch blos für die Vergangenheit festgehalten wurde, konnte nur durch künstlichste Dialektik hergestellt werden; Panlus übte sie in mündlicher Lehre und Sendschreiben. Er iniponirte, aber so leicht drang er nicht durch. Es entstand ein heftiger Kampf zwischen den sogenannten Judenchristen und den Heidenchristen. Judenchristenthum, d.h. der Messianismus mit Beibehaltung des ganzen gesetzlichen Judenthums, diese Richtung war die vorherrschende; die neue Anschauung, die sich nun eindrängen wollte, ward mit aller Entschiedenheit und Gehässigkeit nicht etwa von den Juden, sondern von den Judenchristen bekämpft. Bileamitcn nannte man die neuen Christen, das heißt solche, die Götzenopfer den Juden geben wollten, wie Bisam durch den Genuß der Götzenopfer die Israeliten verführt hatte. 4*