Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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1. 10. Dritte Phase des Christenthums. 40 flict trat mit dessen Wurzel und Grnndanschaunngen, desto mehr mußte er sich nach außen hin gedrängt fühlen. Er hatte Begriffe aufgenommen, die vielfach, je weiter sie ausgebildet wurden, in den schneidensten Widerspruch traten mit den Grundlagen des Judenthums; hier stehen zu bleiben, war unmöglich, entweder aus dem Judenthume herausschreiten oder untergehen, das war die Alternative, die gestellt war, eine Vermittelung gab es nicht. Natürlich drängte es dahin, sich außerhalb zu verbreiten. War der Logos nun wirklich erschienen, war eine neue Welt entstanden, nun so sollte diese neue Welt sich aus sich selbst bilden lediglich durch den Glauben an den erschienenen, auferstandenen und neugestaltenden Messias, lediglich durch ihn sollte, wenn auch auf Grund und Boden des Judenthums, die neue Welt erbaut werden. Ein entschiedener und kräftiger Mann sprach dieses Wort zuerst aus, er hatte den Muth, die Brücke abzubrechen. Das war Paulus, nicht ein Jünger des Stifters des Christenthums, persönlich nie mit ihm in Berührung gekommen, mit ihm, der immer mit aller Entschiedenheit den Fortbestand des Judenthums in allen seinen Theilen verkündet und betont hatte. Paulus war zuerst ein Verfolger der neuen Richtung, er war ein Mann der ganzen That, der eine Halbheit nicht in sich dulden konnte. Entweder entschieden gegen die neue Richtung auftreten, oder sie bis zu ihren äußersten Consequenzen ausbilden, das war die Aufgabe seines Lebens. Auf dem Wege nach Damaskus, d. h. nach den griechischen Städten hin, kam ihm der neue Gedanke: Wie? wenn an der Richtung, wie sie durch das Griechenthum ausgebildet war, doch eine Wahrheit wäre, und wenn eine Wahrheit, dann auch eine ganz neue Welt eintreten müsse? Der Messias ist für die Menschheit da, lehrt das Judenthum, der Logos ist der Weltschöpfer, der Schöpfer der ganzen Menschheit, nun, wohlan! hinaus in die ganze Menschheit, die Schranken abgebrochen und Alles ausgenommen innerhalb des neuen messianischen Judenthums! So trat Paulus auf, und die dritte Stufe des Christenthums wurde erstiegen. Eine neue Gestaltung erstand nun, Paulus selbst war der Heidenapostel, er wagte sich zunächst an diejenigen außerhalb des Judenthums und verkündete zuerst die neue Lehre unter denjenigen, die, eigentlich außer dem Gange der Entwickelung stehend, von dieser Aufforderung ganz betroffen sein mußten. Er brachte die reine Gotteslehre in das Heidenthum, die jüdischen religiösen und sittlichen Begriffe machte er zum Gemeingute der Menschheit, aber ohne deren Vierteljahresschrift. III. I. 2. 4