Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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48 1. 1.0. Zweite Phase des ChristenthumÖ Nothwendigkeit eingetreten. In einem Menschen -— freilich in dem ersten aller Menschen sündigten bereits alle, es war eine Schuld vererbt worden, an dieser krankten sie, ,sie trugen sie als Fessel mit sich und konnten sich ihrer nicht erwehren. Diese Gedanken sind dem Judenthume fern, ihm nur eingepfropft. In dem griechischen Judenthume mochten allerdings sich einige mystisch speculirende Geister damit befreunden, aber eine allgemeine Aufnahme konnte selbst dort nicht erwartet werden. Dies die zweite Stufe des Christenthums. Während in der ersten das Gottesreich betont wird, herbeigeführt durch den menschlichen Messias, tritt ans der zweiten Stufe in erster Reihe hervor: der Gottessohn. Von der wunderbaren Geburt, wie sie mit dieser Umgestaltung verbunden ist, weiß wirklich der treueste Berichterstatter Markus nichts, wenn auch der Ausdruck: Gottessohn — selten genug — hie und da in seiner jetzigen Bearbeitung vorkommt, er steht ziemlich noch auf der ersten Stufe der Entfaltung, wo eine Nöthigung zu dieser Annahme nicht vorlag. Erst auf der zweiten Stufe kommt die wunderbare Zeugung vor, und erst in einem anderen Berichte, der ganz auf griechischem Boden steht, bei Johannes, begegnen wir der vollen, klaren Aussprache, daß der Logos Fleisch geworden und auf Erden erschienen sei, daß er als ein Vertreter der ganzen Menschheit die Sünden derselben auf sich genommen und sie durch seinen Tod gebüßt habe. So auf der zweiten Stufe der Entwickelung und schon hatte dadurch das Christenthum fast aufgchört, eine Richtung innerhalb des Judenthums zu sein, so sehr es immer noch innerhalb desselben sich erhielt. Noch finden wir nämlich nicht das Bestreben, die Schranken des Judenthums zu durchbrechen, Reformen und Umgestaltungen in demselben vorzunehmen, etwa zu erklären, daß das Gesetz aufgehoben sei, daß die Vorschriften, in demselben ihre Gültigkeit verloren hätten. Eine Aufforderung dazu lag freilich schon in der Wurzel dieser Richtung selbst. Die mefsianische Zeit — diese Ansicht findet ihren Ausdruck im ganzen alten Judenthnm — die messianische Zeit wird eine ganz andere sein, als die gegenwärtige, in ihr hören die specicllen Gebote und Vorschriften auf, die Sonderungen schwinden. So lag schon im Glauben selbst, daß der Messias erschienen sei, daß eine neue Welt erstanden, die Aufforderung, auch das ganze Leben uwzugestalten. Und dennoch, finden wir auf dieser Stufe es noch nicht ausgesprochen. Aber je mehr die neue Richtung, der Glaube an erfüllten Messianismus, sich außerhalb des Judenthums stellte, je mehr er in Eon-