Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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I. 10. Zweite Phase des Christenthums. 47 Eine Mutter gebiert ihn, aLer der Vater ist der göttliche Geist. Das war eine Umgestaltung, wie sie ans der Berührung mit dem griechischen Judenthume nothwendig war. So sein Eintreten: wie aber sein Austreten aus der Welt? Der Messias ist allerdings ein mit Gotteskrast ausgerüsteter Mensch, doch bleibt er immer Werkzeug in Gottes Hand, er kann sterben, getödtet werden, er erscheint aber dann wieder, er wird schon die neue Welt einweihen, er ersteht neu auf, er ist auferstanden. Wie aber kann der emgeborne Sohn Gottes, der die volle Gotteskraft in sich trägt, getödtet werden? Nun allerdings, dies kann er nicht durch Menschenmacht, aber er kann es, wenn er es selbst will, freiwillig kann er sich einer scheinbaren Opferung hingeben. Die alte Welt muß untergehn; auch sie war vom Logos erzeugt, in Adam war ein Abbild des Menschengeschlechtes gegeben, in Adam lag die ganze Menschheit. Wie sich in diesem System Alles durch ein Jneinanderfließeu erzeugt und in der höheren Stufe das Niedere enthalten ist, so lag in dem ersten Menschen, in Adam,׳ das ganze Menschengeschlecht. Wenn nun das Menschengeschlecht ein so verderbtes, die alte Welt so schlecht geworden, daß sie untergehen muß, so ist dieser Zustand schon hinaufzubeziehcn auf Len alten Adam. Er hatte gesündigt und an dieser Sünde ist die ganze folgende Menschheit krank geworden, und damit sie gesund werde, muß die alte Welt sterben und eine neue erstehen. Ja, wenn die alte Welt sterben muß, hätten dann alle Menschen nicht auch hinweggerä'nmt werden müssen? Nein! Für die alte Menschheit stirbt eben der Logos selbst, ihr Schöpfer. Indem er Fleisch und Mensch geworden, übernimmt er Alles, was die Menschheit Hartes treffen sollte, er opfert sich selbst für die Menschheit; seine Gottheit aber bleibt und erfüllt nun die neue Menschheit. Das waren neue Begriffe, die sich aus dem jüdischen Griechenthume entwickelt haben, die Ln die Anschauung über Gott tief umgestaltend eingingen und schon sehr nahe daran waren, über die Grenze des Judenthums hinauszuschreiten. Auch in Beziehung auf Menschthum erzeugten diese neuen Begriffe eine mächtige Umgestaltung. Das Judenthum lehrt, daß der Mensch für seine Sünde sterbe, ein Jeder die Strafe empfange für sein Unrecht, daß Gott ein verzeihender und erbarmender Gott sei, der wohl die Sünde nicht ungerügt läßt, der aber keineswegs wegen der Sünde ganz zerstört und namentlich wegen der Sünde des Einen nicht die anderen Menschen, die ihm nahe Stehenden mitbestraft. Hier war eine ganz andere Anschauung mit