Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 3 (1864-1865)
- Issue
- 1-2
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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46 1. 10. Zweite Phase des Chrkstenthums. die Vermittelung zwischen Gott und der Welt, der Logos, wie er in poetisch-kühner Ausdrucksweise von Philo und gewiß nicht von ihm allein genannt ward: der einziggeborene (fxovoysvriq) Sohn Gottes. * Eine kühne dichterische Bezeichnung, die aber nach diesem Systeme ihre volle Berechtigung hat. Der Gedanke aus Gott erzeugt, aber immer weiter innerhalb Gottes verharrend, konnte mit Recht der ein- und einziggeborene Sohn Gottes genannt werden. Diese Ansfaffung war weit verbreitet, ganz gewöhnlich geworden, und sich anlehnend an Ausdrücke der h. S. vom Worte, der Herrlichkeit Gottes und ähnlichen Begriffsbildungen, beschränkte sie sich nicht auf die griechischen Juden, sondern drang auch weiterhin Ln das Judenthum Palästinas. Dort hieß der Logos: Memra, auch das Wort, der Ausfluß von Gott ausgehend, um die Menschheit zu führen, um dasjenige zu vermitteln, was auf die Sinnenwelt geübt wird, und mit der Memra wird in den chaldäischen Uebersetzungen Gott umschrieben, wenn sinnliche Berührungen vermieden werden sollen. Nun trat eine neue Welt ein, die zukünftige Welt verwirklicht sich. Die Welt ist zuächst entstanden durch den Logos, durch diese. Vermittelung. Wenn nun die alte von dem Logos geschaffene vergeht, die neue Welt entsteht, die zukünftige Welt sich verwirklicht, kann sie ein Anderer haben erstehen lassen als wiederum der Logos? Sicherlich, der Messias ist eben der Logos, das Wort, der eingeborene Sohn Gottes! Die christliche Idee wird hiermit auf einen anderen Boden hin verpflanzt, die Anschauungen gestalten sich um, der Menschensohn wird zum Gottessohne, zunächst wohl freilich als Idee, als der philosophische Gedanke, aber im Glauben der Menge dann bald als der wirkliche Gottessohn. Der Gottessohn erschafft eine neue Welt; die alte ist zerstört, durch seine Erscheinung wird eine neue, eingeleitet. Seine Erscheinung — sollte er denn wirklich als ein gewöhnlicher Mensch geboren sein können? Der palästinische Messias ist ein Nachkomme David's, wird geboren wie ein jeder andere Mensch, tritt in die Welt ein, zwar mit einem hohen Auftrage von Gott, ohne jedoch mehr als Mensch zu sein. Der Logos aber, der eingeborene Sohn Gottes, sollte er in die Welt treten als Kind menschlicher Eltern, der Logos ein Kind, der Logos menschlich geboren? Sind das nicht widersprechende Begriffe? Wenn bei ihm von Zeugung und Geburt die Rede ist, so kann das nicht auf natürliche Vorgänge bezogen werden. Er ist der Sohn Gottes, er geht freilich Ln das Fleisch ein, aber auf eine wunderbare Weise: