Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 45 (sequence 48)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2420988-2420989--0696-2421774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1. 10. Zweite Phase des Christenthums. 45 nicht mitznmachen. Während in Judäa die Waffen klirrten, Tag für Tag die Kräfte wachgerufen werden mußten, um für die Bedürf- ׳nisse des Tages zu sorgen, die Beschwerlichkeiten und Mühen zu ertragen, die Gehässigkeiten abzuwehren, während so in Judäa Kraft und Sinn ganz auf die Gegenwart hingelenkt wurde, waren die griechischen Juden immer doch blos müßige Zuschauer, sie schauten hin mit tiefer Betrübniß, vielleicht auch verspottet von den Griechen, wie ihr heiliges Land nun zu Grunde gehe, wie sie ihren geistigen Mittel- Punkt bald einbüßen werden. In solchen Stimmungen lebten die griechischen Juden. War nun auch in ihnen der hoffnungs- und trostreiche Blick der neuen Zeit zugewendet, in der sie von diesen Leiden, die bei ihnen mehr geistige waren, befreit werden sollten: so waren sie auch dem Glauben weit näher, daß diese Hoffnung bald erfüllt werde, erfüllt sei. Sie wurden nicht niedergedrückt von der ganzen Last des Augenblicks, sie athmeten weit freier, gaben daher der Hoffnung weit mehr Raum. Auch fand in der Ferne die Verkündignng begeisterter. Anhänger weit leichter Glauben, als bei denen, die Alles in der Nähe mit angeschaut hatten. Innerhalb der jüdischen griechischen Colonieen gewann daher das als eingetreten verkündete messianische Jüdenthum bereits in der ersten Zeit eine weit größere Zahl von Anhängern. Dort aber traf dieser Glaube aus ein ganz neues geistiges Element. In den griechischen Inden nämlich war ein griechisch-philosophischer Zug, den sie mit ihrem alten Glauben verwebt hatten. Die dortigen philosophischen Bestrebungen liefen besonders darauf hinaus, ein göttliches Abbild anzuerkennen, einen Logos, den göttlichen Gedanken, der als ein Ausfluß Gottes auch zugleich weltschöpferisch mit der Welt in Verbindung getreten ist, weiter mit ihr in Berührung bleibt; von dem geistigen Gedanken des Judenthums durchdrungen, hatte man Gott außer aller Berührung mit der Welt zu setzen gesucht, ihn so erhaben über alles Endliche und Zeitliche gestellt, daß eine gewisse Vermittelung nothwendig war, um Schöpfung und Erhaltung der Welt von Gott ableiten zu können. Der Logos, der Gedanke, das Abbild, die Idee, die sich aus Gott erzeugt, war der Demiurg, der Weltschöpfer. Ob er als Personliches Wesen, ob er als bloße Idee zu betrachten sei, blieb unentschieden; man war durch Plato daran gewöhnt, die Idee in der Schwebe zu erhalten zwischen einem wirklich Vorhandenen oder blos geistig Gedachten. Der Logos nun, der Gedanke, der Begriff oder das Wort, wie es auch im Griechischen heißt, war gewissermaßen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.